Pinhdar – Comfort In The Silence – Fruits De Mer Records 2026

Von Matthias Bosenick (13.08.2026)

Das neue Logo von Pinhdar mit dem auf Abstand vertikal gespiegelten P deutet schon sehr auf Portishead hin, und ja, das Duo aus Mailand erfüllt diverse Charakteristika des Trip Hop, aber nicht ausschließlich, denn die zweite Säule errichten die beiden Musizierenden und Singenden auf Wave aus den Achtzigern und verbinden alles mit modernen Mitteln. „Comfort In The Silence“ ist das vierte Album von Cecilia Miradoli und Max Tarenzi, das in unruhigen Zeiten der Seele guttut.

Mit „After The Fall“ beginnt dieses Album, und dieser Song legt direkt die Fährte in Richtung Bristol. Der Gesang von Cecilia Miradoli erinnert in der entrückten Zerbrechlichkeit sehr stark an den von Beth Gibbons. Die Musik von Max Tarenzi ist ein handgespielter Trip Hop, der also nicht mit Samples arbeitet. Mithin ist der Sound nicht so karg wie mancher aus den Neunzigern in diesem Genre, was auch daran liegt, dass Trip Hop nicht die einzige Quelle ist, die Pinhdar anzapfen, denn ein großes Augenmerk legen sie auf Post Punk, Wave und Vergleichbares aus den Achtzigern, indes abermals in der milden Form, nicht so fett wie beispielsweise The Eden House. So lässt das Intro von „Mute“ an „Killing Moon“ von Echo And The Bunnymen denken, geht aber anders weiter.

Zurück zu den Sounds: Beats, Piano und Flächen sind synthetisch generiert, hauptsächlich dreht sich Tarenzi indes um seine Gitarre, die er mit allerlei Effektgeräten verkabelt, die zwar auch mal ein Bratzen ergeben, auch Flächen oder Figuren, zumeist aber der Stimmung angemessene ätherische Melodien, irgendwo nahe an dem, was man aus dem Flanger so rausholen kann, man frage da bei Robert Smith nach. So lässt sich auch der Pop, zumeist der Dream Pop, klar vernehmen.

Schön ist, dass die Musik hier nicht zum Selbstzweck existiert, also irgendwie funktional ein Genre bedient, sondern dass Pinhdar diese Musik verwenden, um richtige Lieder zu komponieren, die trotzdem atmosphärische Passagen beinhalten. Dazu wechselt Miradoli über die Songs die Intensität ihres Gesangs, sie bleibt nicht so zerbrechlich wie im Opener, auch wenn sie zu diesem Stil gelegentlich zurückkehrt. Sobald sie ins Kraftvolle wechselt, lässt die Kombination mit der Musik an dänische Projekte denken wie Gry oder No Hay Banda.

Tragik und Schönheit gehen hier Hand in Hand. Indes steigert sich das Duo im Verlauf der neun Songs mächtig ins Musizieren hinein und entwickelt zum Ende hin sogar eine kraftvolle Energie und steigert das Tempo. „Into The Mirror“ hat eine leichte Drama-Note von James Bond, entwickelt sich energetisch, und gipfelt im abschließenden Electro-Song „Red“.

Man darf es als glückliche Fügung auffassen, dass sich Miradoli und Tarenzi begegneten. 2019 veröffentlichten sie ihr selbstbetiteltes Debüt, es folgten 2021 „Parallel“ und 2024 „A Sparkle On The Water“, dazu 2023 das Live-Album „Live At The 19th Dream Of Dr Sardonicus Festival 2023“. Als Gast ist hier übrigens Bassist Lee Pomeroy an Bord, der seine Meriten unter anderem bei Archive, ELO, Steve Hackett oder Rick Wakeman erwarb.