Von Matthias Bosenick (13.08.2026)
Bandnamen, die sich aus der Verdrehung bereits etablierter Namen einen Scherz machen, sind eher schwierig, da funktionieren eigentlich ausschließlich Dub Spencer & Trance Hill. Die Nordlondoner Sly & The Family Drone machen’s dennoch, und immerhin der veränderte Zusatz ist hier mehr als berechtigt: Auf dem vermutlich achten Album „With Love“ gibt’s irgendwie einen freien Jazz, aber generiert nicht nur mit dem Tenor-Saxophon, sondern auch mit elektronischem Lärm. Der umso besser reinhaut, wenn er wie hier neben kontemplativen Stücken steht. Letztlich belegt der Name vielmehr eine in der Musik eher versteckte Komponente, die für das Quintett dennoch essentiell ist: Humor.
Der Titel „Psychic Surgery“ passt für den Opener wie die Faust aufs Butterbrot: Wer sich unbedarft der Musik von Sly & The Family Drone nähert, läuft sicherlich Gefahr, einen psychischen Schaden davonzutragen, weil sie ihn verwirrt, und da die Band das weiß, hängt sie diesen Umstand mit dem genannten Titel quasi als Schild an die Tür. Und kichert sich eins. Das Stück ist ein freier Jazz-Rausch, es besteht aus Soundscapes und Noises ohne Rhythmus, aber mit dem Saxophon, das zwar frei, aber nicht quäkend dazu spielt. Erst mit dem zweiten Stück „The Guts Of Albion“ kommt das Schlagzeug dazu, das klöppelt da dann so vor sich hin, sogar rhythmisch, was man eher nicht erwartet hätte. Sobald sich das Saxophon hineinmogelt, drängelt sich etwas dazu, das wie ein Didgeridoo klingt, aber vermutlich elektronisch generiert wurde. Sobald die Band zum Galopp ansetzt, schwenkt der Track zu einem verstörend zugänglichen Noise-Boogie um.
Kratzig-elektronisch beginnt „Under The Rainbow“, und während man sich in die harschen Soundscapes sinken lässt, schlängelt sich das hallige Saxophon durch den Lärm und spielt ernsthaft „Somewhere Over The Rainbow“ an. Also doch Humor. Auf solcher Basis funktioniert auch der Titel von „On The Oil“, das hat nämlich dazu passend einen orientalischen Rhythmus, der monotone Drones und ein mit einem Echo versehenes Saxophon begleitet. Und – hört man da tatsächlich eine Stimme durch?
Richtig kontemplativ wird es dann mit „Snagged On Frowns“, das den Lärm zu entspanntem Ambient umdeutet und mit einem halligen Saxophon krönt, dazu mit sehr reduziertem Schlagzeug. So richtig, darauf darf man sich einstellen, entspannt bleibt es nicht, es steigert sich, atmet heftiger, bricht aber nicht aus. Dafür klatscht einem unvermittelt das finale „Cloth Control“ ins Gesicht, mit einem quietschenden Saxophon und nervenzehrend zirpender Elektronik zum Downbeat, und wie es sich für vernünftigen Lärm gehört, mag man ihn sich unglaublich gern anhören.
Seit 2010 veröffentlichen Sly & The Family Drone Alben, „95 Minutes Over England“ lautete der Titel des Debüts. Sich selbst bezeichnet die Band als „North London Neo-Jazz Wreckin‘ Crew“, und das kann man durchaus gelten lassen. In Sachen Intensität und konsequenter Lärmharmonie lassen sich Monno als Link heranziehen. Auf dem für den Valentinstag zur Veröffentlichung vorgesehenen „With Love“ spielen mit: James Allsopp (Tenor-Saxophon), Kaz Buckland (Schlagzeug, Elektronik), Matt Cargill (Elektronik, Stimme, Percussion, zuletzt in Trioform aktiv mit dem Album „Chewed Up And Spat Out“), Ed Dudley (Elektronik, Stimme) und Will Glaser (Schlagzeug, Elektronik).
