Von Matthias Bosenick (29.07.2026)
Einen Blick über die Grenze ins Nachbarland wirft der Ungar Tibor Terebesi aus Ózd, und zwar nach Transsilvanien in Rumänien. Sein Solo-Black-Metal-Projekt nennt er Denevér, was auf Ungarisch Fledermaus heißt und schon grob ahnen lässt, worum es auf seinem dritten Album „III. Hívogat a vér“ geht: „Der Ruf des Blutes“ steht im Mittelpunkt, und zwar der, dem ein gewisser Vampir folgt. Terebesi setzt auf Old-School-Black-Metal, er knüppelt also lieber, als dass er Atmosphären schafft, und baut gelegentliche klassische Interludien und andere Fingerfertigkeiten ein.
Mit Dark Ambient als „Intro“ beginnt der Blutrausch, mit verfremdeter Marschmusik als „Outro“ endet er. Dazwischen fliegt der Knüppel aus dem Sack, Terebesi beweist seine Flitzefingerfertigkeit auf der E-Gitarre, dazu keift und rotzt er, während sein Black Metal alter Schule bollert, lärmt, prügelt. Ins brutale Brettern baut er Brüche ein, damit die Tracks Struktur bekommen, und lässt damit ahnen, dass er mehr kann als nur auf die Zwölf kloppen. Atmosphären indes, schöne Flächen oder so etwas, wie es seit einigen Jahren im Post Black Metal üblich ist, unterlässt der Mann hier, auch wenn er mal eine Synthiefläche unter seine Bolzen schiebt.
Stattdessen integriert er eben andere Elemente in sein Album. Das „Intro Vlad Tepes“ etwa besteht aus Klaviermusik, die beinahe nach Spinett klingt. Nebenbei lässt der Titel – es folgt natürlich noch das Stück „Vlad Tepes“, eigentlich Vlad Ţepeş, der Pfähler – auch Menschen, die kein Ungarisch sprechen, wissen, worum es auf „III. Hívogat a vér“ geht, nämlich eben den Blutgrafen der rumänischen Mythologie, auf der die Geschichten rund um Dracula basieren. Die nächste musikalische Besonderheit schlägt sich ebenfalls im Titel nieder: „Vámpír az orgonánál“ ist genau das: „Vampire an der Orgel“.
Einen cineastischen Bombast-Einstieg gönnt sich Terebesi für „Az öreg temető“, „Der alte Friedhof“. Der Song enthält zudem ein Zwischenspiel mit Orgel und düsterer Musik, was an den Gothic Metal in „Vampiria“ von Moonspell erinnert, was ein Zufall. Bei „Magyar vér rapszódia“, „Ungarische Blutrhapsodie“, handelt es sich um ein Klavierinterludium. „Umbrae Aeterna (feat. Malevolus)“, „Ewige Schatten“, beginnt mit einem malträtierten Klavier à la Ernst Horn, das Stück birgt zudem die meisten merkwürdigen Brüche und hat den größten Gruselfaktor. Mit „Vampire Lord“ covert er sich selbst, also eine seiner Hauptbands, nämlich Frost, die übel klischeehaften BM spielen, inklusive Corpsepaint und Belzespuk. Mit „Damned Grave“ folgt ein Tormentor-Cover, auch diese ungarische Band mit Heldenstatus coverte er bereits mit Frost, und dieses Stück findet sich im Original auf dem 1987er Tape „The Seventh Day Of Doom“ und fällt in der Fledermaus-Version sogar beinahe ungewohnt warm aus.
Sein drittes Album nennt Terebesi also „Der Ruf des Blutes“, und dem folgt er seit 2020 unter dem Solo-Namen Denevér. 2022 erschien das Debüt „Vámpír“, dessen Titel keine Fragen offen lässt, und 2023 folgte „A vérivók krónikái“, „Chroniken der Bluttrinker“. Vampirismus ist als Thema ja beinahe harmlos, wenn auch klischeehaft, und so sind auch weite Teile der Musik. Die genannten Zwischentöne heben Denevér dennoch aus dem Mittelmaß heraus.
