Smokemaster – In The Temple – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (24.06.2026)

Alles drin, was die psychedelische Musik gegen Ende der Sechziger braucht: Orgel, entrückten Harmoniegesang, schöne Melodien, ein Anflug von Rock. Mit „In The Temple“ unternehmen Smokemaster aus Köln zum dritten Mal eine Zeitreise um 60 Jahre zurück. Was sie mitbringen, erweitert das Bewusstsein, indes weniger den Horizont: Sie bleiben der Tradition treu und ignorieren die Moderne. Das Alte indes ordnet das Quintett attraktiv an.

Die Rockmusik von Smokemaster ist erstaunlicherweise nicht dreckig, auch mit den Soli darin, auch mit mal lockeren Zügeln, diese Musik bleibt freundlich, zugänglich. Am nachdrücklichsten wirkt hier noch die Orgel, die jedem Song einen Stempel aufdrückt. Dazu chillt sich ein harmonischer, entrückter Gesang ins Ohr. Auf diese Weise erstellen Smokemaster mit repetitiven Elementen zugängliche Songs, durch die Rauchschwaden wehen und die einem bunte Farben vor die inneren Augen malen.

Haight-Ashbury und die Szene aus England ab Ende der Sechziger sind hier sicherlich prominente Vorbilder, doch gab es in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten danach auch spätere Vertreter, die sich bestimmter Elemente bedienten und die hier anklingen. Die britische Rave-Szene übernahm gern Details, auch bei Spiritualized und bei den Desert Sessions wird man sicherlich fündig. Nur rauh sind Smokemaster nie, zu solch ausgelassenen Tänzen wie bei The Stone Roses motiviert die Musik auch eher nicht. Dafür verabreichen Smokemaster ihren Songs gern Strukturen, die von denen des Radiopop abweichen, lassen die Instrumente sprechen und ufern auch mal episch aus, etwa in „Down In The Salt Mines“, mit der obligatorischen Flöte in „Under The Sun“, das rhythmisch zudem auf die Wüstenblueser Tamikrest verweist, oder mit der Sitar in „Electromagnetic“.

Aus der Reihe tanzt „Piece Of Mind“, das an siebter Stelle mit leichten Gitarrendrones im Hintergrund arbeitet, einen anderen Gesang hat – die Haupt-Stimme klingt klarer, die zweite Stimme ist Ergänzung, nicht Begleitung – und sich mit eingebetteter Orgel in Trance groovt. Ansonsten liegt die Besonderheit dieses Albums darin, die vielfältigen psychedelischen Möglichkeiten im eigenen Rahmen abzustecken und schlüssig miteinander in Verbindung zu bringen. Modernismen jedoch darf man nicht erwarten.

Seit 2018 gibt es die Band Smokemaster. 2020 erschien das selbstbetitelte Debüt, 2023 der Nachfolger „Cosmic Connector“. Fandienlich: Die drei Vorab-Singles „No Other One“, „Citrus Leaves“ sowie das dem Album den Titel gebende „In The Temple“ sind auf dem nach dem letztgenannten Song benannten Album „In The Temple“ enthalten.