Von Matthias Bosenick (01.06.2026)
Doug Jones alias Mudtown und Ewa Baran alias Holy Høly! kombinieren ihre Fertigkeiten für eine EP, die mit Ansage gestrig klingt: „Till I Wilt“ soll nämlich dem Trip Hop der Neunziger huldigen, allem voran Portishead und DJ Shadow. Gottlob agieren beide Beteiligten individuell genug, dass diese Downbeat-EP nicht als reine Pastiche durchgehen muss.
Man könnte alle Referenzpunkte aufzählen, die einem zu Neunziger-Trip-Hop einfallen, und fände sie auf „Till I Wilt“ sicherlich auch allesamt berücksichtigt. Doch seien wir mal ehrlich, das galt auch bereits für die Originale von vor 30 Jahren, dass man untereinander so manche Ähnlichkeit ausmachen konnte. Über die Vorgehensweise, die Ewa Baran und Doug Jones heranzogen, um die Musik auf „Till I Wilt“ zu generieren, lassen sie nicht viel durchsickern. Baran spielt Bass und Piano, ist zu lesen, also dürfte der Rest von Jones kommen, doch ob er die Sounds – Beats wie Melodien und Sprachfetzen – synthetisch generiert oder, wie es im Trip Hop seinerzeit üblich war, via Samples einbaut, lässt sich nicht immer heraushören. Ob die beiden wirklich für „Follow You Down“ eine Harfe bemühten?
Insgesamt hält sich der Gesamtsound schon sehr an das, womit man das Genre verbindet, also trippige Beats, verschleppten Hip Hop mithin, Verlorenheit, dezentes abgedunkeltes Glitzern und Melodien überwiegend mithilfe der Stimme erzeugt. Die erinnert in Tonlage und Darbietung einmal mehr angenehm an die von Gry Bagøien. Im finalen Track, dem „Zombie Remix“ des Openers „Hands For Flowers“, treten zudem genrespezifische Sounds wie Scratches und Rap zutage. So ist „Till I Wilt“ eine modernisierte Zeitreise, ein Blick auf damals mit den Mitteln des Jetzt.
Als Holy Høly! veröffentlichte Baran aus Cianowice Małe bei Krakau im vergangenen Jahr ihr Debüt, mit Bartek Brzeziński alias DXCV3R formierte sie jüngst das Projekt Burn und zuvor trat sie bereits mit anderen Projekten wie Rozmazani, Noce, She Fits Me, MSM, Regresja oder Groszki auf den Plan. Anfang der 2000 produzierte und remixte Jones „lokale Musiker“, so die Info, also Leute aus Missouri, legte seine Aktivitäten indes nach einiger Zeit nieder und kehrte erst 2023 wieder zurück ins Studio. Nach ihm zu recherchieren fällt etwas schwer, weil der Name nicht so selten ist. Mit seiner musikalischen Partnerin und der EP „Till I Wilt“ jedenfalls verschafft er sich einen respektablen Eintrag in die Suchergebnisse.
