The Ultimate Dreamers & Implant – Paradoxical Implants EP – Spleen+ 2026

Von Matthias Bosenick (30.04.2026)

Dies ist mehr als lediglich eine Remix-EP: Das steinalte, aber erst jüngst in den zweiten Frühling eingetretene belgische Dark-Wave-Projekt The Ultimate Dreamers ließ sich sechs Songs aus seinem letzten Album „Paradoxical Sleep“ von seinem Produzenten neu bearbeiten. Da es sich bei jenem um Len Lemeire handelt und der mit dem Electro-Projekt Implant – neben 32Crash, seiner Zusammenarbeit mit Jean-Luc de Meyer von Front 242 – am bekanntesten ist, heißt die EP „Paradoxical Implants“, und die verleiht den Albumtracks neue Horizonte, neue Tiefen, neue Sphären.

Zum Auftakt erinnert „Digging (Rust)“ in seiner elektronischen Schwerfälligkeit leicht an den alten Future Pop, wären da nicht die Störsounds, die diesem entschleunigten Stück reichlich Drones verabreichten. In „Kids Alone (Late Night)“ pulsieren die Sequenzen, der EBM-Beat lockt schon mal amtlich auf die Tanzfläche. Wie bereits im ersten Track fällt auf, wie gut die klare, dunkle Stimme auch in diese Sounds passt. Der „Spiritchaser (Neon Glow)“ hat die Snare auf der vier und ist damit trotzdem nicht wirklich flotter als seine Vorgänger, und trotzdem genau so zwingend wie sie. Hier dringen die an The Cure erinnernden Wave-Gitarren durch die teils dominanten Electrosounds, das Stück hat hier eine leichte Achtziger-Anmutung im Aufbau, nicht im Klangbild.

Noch dichter an die Achtziger rückt „Far Away (Dispencing)“, der damalige Disco-Rhythmus liegt hier unter dem Synthiesong, in den später noch die Wave-Gitarren Einlass finden. Glaubt man gerade noch, das Tempo könnte allmählich anziehen, bremst „Into The Fog (Visible)“ es wieder aus: Hier geht es eher um die Atmosphäre, die der leicht experimentelle Electro-Track mit gebrochenem Rhythmus und Spoken-Word-Anteilen zwischen den gesungenen Strophen mit sich bringt. Zum Abschluss nimmt sich Lemeire mit „Envoler (Ailé)“ die auf Französisch gesungene Version der Single vor und macht daraus einen dunklen, langsamen Electro-Gruftsong. Dabei erliegt er nicht der Versuchung, zum Schluss den Beat nochmal ordentlich aufzudrehen, obschon er die Anlagen dafür in seinen Mix einbaut. Der finale Bass hat vertraute Hook-Lines, die bestens in den Sound passen.

The Ultimate Dreamers starteten in den Achtzigern in Lessines, der Geburtsstadt von René Magritte, wie sie wissen lassen, und nahmen bis Anfang der Neunziger auch einige Songs auf – die sie allerdings erst 2021 als „Live Happily While Waiting For Death“ herausbrachten, nunmehr von Brüssel aus. Es folgten zwei Studioalben mit neuen Songs sowie diverse Singles und EPs. Und irgendwie bekommen die Träumer es hin, relativ anonym zu bleiben – lediglich ihre Vornamen sind bekannt: Sänger und Bassist Frédéric (auch als Fred Cotton oder Gossypium), Gitarrist Bertrand, Bassist Joël sowie Keyboarderin und Cellistin Sandrine.