Was meine Freundin gerne hört – die Hörspielkolumne: Das war morgen – Teil 2: 100 Sci-Fi-Hörspiel-Perlen

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin riss neulich die Halbes-Jahrhundert-Alterslatte. Das gab mir zu denken. Zuerst verbrachte ich einige melancholische Momente mit dem Gedanken, dass sie damit mehr als die Hälfte ihres Lebens mit mir verbracht hat. Dann entdeckte ich den Podcast „Das war morgen“. Da geht es darum, wie man sich vor fünfzig Jahren in westdeutschen Science-Fiction-Hörspielen die Zukunft im heute vorgestellt hat.

In „Das war morgen“ präsentieren Isabella Herrmann und Andreas Brandhorst, eine SciFi-Analystin und ein Autor, später abgelöst von Aiki Mira, eine nichtbinäre Science-Fiction-Autorenperson mit sehr sexy Stimme, 100 Scifi-Hörspiele aus den 1960er bis 1990er Jahren. Jede Folge ist einem Hörspiel gewidmet. Die Moderatoren führen kurz ein, dann gibt’s das Werk und danach reflektieren sie darüber. Sich 100 Hörstücke von anno dunnemals und mit den damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln anzuhören, erfordert einiges an zusätzlicher Aufmerksamkeit, derweil das normale Leben im Jahr 2026 mit all seinen Irrungen und Wirrungen voranschreitet. Aber hier bei „KrautNick – hier kriegen sie was gelernt“ scheuen wir bekanntlich keine Strapazen. Manchmal bin ich beim Hören eingeschlafen, manchmal war der Plot so absurd, durchschaubar oder klischeebehaftet, dass ich mich nicht überwinden konnte, auf das Ende zu harren. Aber vier der Sci-Fi-Hörspiel-Perlen waren ein Uphill-Fight für mein Gehirn, ohne Spoiler:

Chris Brohm „Das große Sterben“ (1990)

In einer Rundfunkübertragung mit Expertenkonferenzschaltung wird von einer tödlichen Epidemie berichtet, deren Hintergründe ausgeleuchtet werden sollen. Die eingeblendeten Vorortreportagen lassen erkennen, dass sich die Situation zuspitzt: Es entsteht Panik unter der Bevölkerung. Statt Hilfeleistungen zu erbringen, ergehen sich die zuständigen offiziellen Stellen in gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Gordon R. Dickson „Computer argumentieren nicht“ (1971)

Walter A. Child hat vom Treasure Buchclub statt des bestellten Bandes das Buch „Kidnapping“ von Robert Louis Stevenson erhalten. Als er es zurückschickt, bekommt er an Stelle einer Gutschrift eine Mahnung über 4.98 $. Dieser Fehler potenziert sich, da auch alle weiteren Schreiben von Computern bearbeitet werden und die wenigen Menschen, die an der Angelegenheit beteiligt sind, nicht an der Korrektheit der Computer zweifeln. Es kommt zur Klage zwecks Erlangung eines gerichtlichen Zahlungsbefehls. Da der Mahnbetrag in eine falsche Spalte gerutscht ist, macht der Computer aus der Dollarschuld einen Paragraphen, worauf die Sache an den Rechner der Kriminalkartei geht, der aus Walter A. Child kurzerhand A. Walter macht und Anklage wegen Entführung des Kindes – Child – Robert Louis Stevenson erhebt.

Isaac Asimov „Roboter QT 1“ (1981)

Ein zu selbstständigem Denken befähigter Roboter in einer Raumstation bezweifelt, von Menschen konstruiert worden zu sein, und glaubt an ein höheres Wesen. Denn die Menschen bestehen aus weichem, schlaffem Material, sie sind nicht dauerhaft, werden durch geringste Temperatur- und Druckschwankungen in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, sind auf die Oxidation organischer Materie angewiesen und verfallen alle paar Stunden in einen Zustand tiefster Ohnmacht. Er dagegen, QT 1, der höchste je entwickelte Roboter, ist den Menschen an Präzision und Geschwindigkeit weit überlegen, kann seine Energie auf direktem Weg absorbieren und arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 80 Prozent. Auf der Suche nach einer Erklärung für seine Existenz kommt er zu dem Schluss, dass ein logisches System sich nicht selbst definieren kann; dazu bedarf es eines höheren Systems. Also muss sein wahrer Schöpfer mächtiger sein als er.

Murray Leinster „Temperatursturz“ (1974)

Inspektor Leutnant Massy wird von der Weltraumbehörde auf seinen ersten selbstständigen Auftrag entsendet. Er muss die Landestation auf dem Planeten Lani III überprüfen. Die Pionierkolonie ist auf das Stahlgerüst angewiesen, da es sie zusätzlich mit notwendiger Energie und Wärme versorgt. Lani III ist ein vereister Planet. Nur 300 Menschen leben in der feindlichen Umgebung. Auf Lani III wird eine ungewöhnliche Häufung von Sonnenflecken festgestellt. Die Sonne nimmt immer weiter ab – es wird zunehmend kälter und damit lebensgefährlicher. Lani II, ein erdähnlicher Planet im gleichen Sonnensystem, rät, sich auf die rasch nahende Eiszeit vorzubereiten. Es muss dringend gehandelt werden, bevor die Temperatur die kritischen -86° Celsius erreichen. Massy hat einen Einfall: Mithilfe einer künstlich erzeugten Plasmawolke kann der Energiefluss gesteigert und damit genug Wärme entstehen, um die Kälteperiode abzuwenden. Doch wird der Plan gelingen?

Onkel Rosebud