Von Onkel Rosebud
Mit meiner Freundin kann ich keine Hörspiele hören. Man könnte annehmen, dass in diesem Satz das Wörtchen „leider“ fehlt, aber nee. Seit meiner Kindheit bin ich zwar Hörspiel-Aficionado, doch, wenn man mit jemand zusammen ist, der die Gabe hat, immer und überall innerhalb von drei Minuten einschlafen zu können, dann beharrt man im schummrigen Abendrot und in horizontaler Lage nicht auf die gemeinsame audiophile Gustation der gesammelten Werke von Agatha Christie.
Mein Interesse an Sci-Fi-Hörspielen fing mit „Per Anhalter durch die Galaxis“ an, dem Buch-Kultklassiker des Genres, der jedoch zuerst als Hörspielserie konzipiert gewesen ist. Später gab es den Stoff von Douglas Adams auch als Fernsehserie, Computerspiel, Comic, Musical, Theaterstück und überflüssigerweise auch noch als Kinofilm – trotz des knuffigen Martin Freeman in der Hauptrolle. Das BBC-Original aus dem Jahr 1978 war unerreichbar in dem Land, was es nicht mehr gibt, aber die BRD-Version von 1981 wurde seinerzeit in 6 Folgen auch im Deutschen Demokratischen Rundfunk ausgestrahlt.
Ich denke, ich muss niemand, der bis hierhin gelesen hat, erklären, um welche Mischung aus Komödie, Satire und Science-Fiction es sich bei „The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy“ handelt und welchen Einfluss dieses Werk auf Popkultur im Allgemeinen und das politische Bewusstsein im Besonderen hatte und hat. Ich habe ausreichend Lebenszeit darauf verwendet, mir den ganzen H2G2-Kanon anzueignen, und es geschafft, meine Freundin damit zu identifizieren:
Wir haben eine Nachbildung von Deep Thought im Maßstab 1:1000 im Schlafzimmer stehen. Über unserem Bett hängt ein Poster von dem missratenen Film mit der Aufschrift „Don‘t Panic“. Wenn wir woanders übernachten, schreiben wir ins Gästebuch „Macht’s gut, und danke für den Fisch“. Als „Vogonen“ bezeichnen wir alle Bürokraten, die uns daran hindern, unsere Freizeit im Kuschelmodus zu verbringen. Wir interessieren uns nur für Sportler, die ein Trikot mit der Nummer „42“ tragen. Tour de France und alles, was mit Fußball zu tun hat eingeschlossen. Meine Freundin ist der Meinung, dass „Herz aus Gold“ keine gute Bezeichnung für ein Raumschiff, das wie ein Turnschuh aussieht, ist, sondern der Name des besten Songs von Neil Young. Und dass Marvin nie hätte sterben dürfen.
Mit Hilfe des unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrives wird unsere Zuneigung darin gipfeln, unser gemeinsames Langzeitprojekt, das „Restaurant am Ende des Universums“ zu verwirklichen. Das wird aber nicht auf dem Planeten Magrathea passieren, sondern in den schottischen Highlands, und es wird „Person in aussichtsloser Lage“ heißen.
Jedenfalls, jenseits aller Beziehungsromantik trieb mich das Hauptwerk von Douglas Adams direkt in die Fänge von Terry Pratchett und seine 41 „Scheibenwelt“-Romane. Übersetzt übrigens von Andreas Brandhorst, dem Moderator vom „Das war morgen“-Podcast.
Für das Leben, das Universum und den ganzen Rest ist nicht verantwortlich, obwohl er immer (und nicht nur am 25. Mai, dem seit 2001 weltweiten „Towel Day“) ein Handtuch dabeihat,
Onkel Rosebud
