Von Onkel Rosebud
Was haben Menschen, die Mudrich, Ebeling und Franke heißen, gemeinsam? Meine Freundin wusste es nicht, was keine Schande ist, da es sich um Nerd-im-Quadrat-Wissen handelt. Sie gelten als Wegbereiter des anspruchsvollen deutschen Science-Fiction-Hörspiels. Und das im Nebenberuf.
Eva Maria Mudrich (*1927; † 2006) war eine Schriftstellerin, Hermann Ebeling (*1935; † 2018) ein Historiker und Herbert Werner Franke (*1927; † 2022) ein Physiker, Sachbuchautor und galt als Universalgenie. Ihre Werke und die einiger anderen wurden vom Regisseur Andreas Weber-Schäfer (*1939) in die Hörspielszene gesetzt. Dieser kam 1969 wie die Jungfrau zum Kinde beim Südwestdeutschen Rundfunk zu den beiden Reihen „Science-Fiction als Radiospiel“, ab 1985 „Fantastic aus Studio 13” genannt, die er bis 1998 betreute, als sie schon ein paar Jahre liefen. Damals jeden 4. Dienstag zur besten Sendezeit von 21 bis 22 Uhr. Soll sich großer Beliebtheit erfreut haben.
Die Autoren haben Zukunftsvorstellungen unserer Gegenwart als Hörstücke verarbeitet, wissenschaftlich kritisch, nicht elitär, spannend erzählt als Konversation, Krimi oder Love-Story. Die Inhalte kamen aus den Sendungen der Wissenschaftsredaktion vom SWR, wo Herr Weber-Schäfer auch Redakteur war, wie zum Beispiel Kälteschlaf oder Zellregeneration. Meistens sind diese Zeitzeugnisse dystopisch und enden düster. Vermeidliche technische Innovationen kehren sich ins Gegenteil, menschengemachte Umweltzerstörung macht den Visionen den Garaus oder die Umwelt schlägt zurück.
Auch werden Auswirkungen auf das Individuum betrachtet: Soziale Themen wie Vereinsamung, Bevölkerungsexplosion, Vollautomatisierung, staatliche Kontrolle, übermäßiger Konsum werden aufgegriffen. Aus heutiger Sicht ist es prophetisch, wie erschreckend viel sich bewahrheitet hat.
Man hört den Stücken auch an, dass die beteiligten Schauspieler dabei gern mitgemacht haben, bestimmt nicht nur, weil sie keinen Text lernen mussten. Man spürt, wie sie in den Pausen rumgealbert haben, im Studio in Heidelberg, wo das Bandaufnahmegerät, der TEAC A-3340, stand. Dieses japanische 4-Kanal-Spulentonband ist eine andere Nerd-im-Quadrat-Geschichte.
100 dieser Zukunftsvorstellungen unserer Gegenwart, von denen Mudrich, Ebeling und Franke ein Viertel beigesteuert haben, werden im Podcast „Das war Morgen“ vorgestellt. Darum geht’s in der nächsten Folge.
Onkel Rosebud
