Hin- und weggesehen. Filme und Serien (16)

Von Chrisz Meier (16.02.2026)

Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.

Meine Beobachtungsergebnisse möchte ich gerne weitergeben, sei es als Empfehlung, sei es als Warnung, denn Lebenszeit ist kostbar. Wo waren wir in der letzten Folge stehengeblieben? Ach ja, Anfang Dezember 2025.

Zu Beginn des – für mich – schlimmsten Monats des Jahres mit all seinen schlimmen Tagen brauchte ich gewalttätige Filme, um meine Aggressionen wegzugucken. Da kam „Fight Or Flight“ gerade recht. Nach „Bullet Train“ nun also die Actionkomödie in einem Flugzeug. Der blondgefärbte J. Hartnett soll in ihm auf eine aus irgendwelchen Gründen wichtige Person aufpassen, muß aber bald feststellen, daß fast die gesamte Menschenfracht dieses Flugzeugs es darauf abgesehen hat, diese wichtige Person umzubringen. Et voilà, la Gewalt c’est la. Hier kommen eine Menge Leute, die es verdient haben, flott ums Leben und, auch wichtig in solchen Filmen, die Wahl der Mittel wird mit zunehmender Laufzeit drastischer. Es bewahrheitet sich ein ums andere Mal: Gutes Timing ist alles in einer Actionkomödie. Dazu kommen okaye darstellerische Leistungen der skurrilen Figuren und sehr gute Stunts. Ziel erreicht in einer Stunde, 42 Minuten.

Sehr viel länger braucht „The Batman“ (2022), nämlich fast drei Stunden, um seine Episode aus dem Leben des Fledermausmannes zu erzählen. Diese Zeit habe ich auch nur geopfert, weil er mir empfohlen wurde von jemandem, dem ich in dieser Hinsicht vertraue. Denn normalerweise mache ich um das ganze Superheldenuniversum einen Bogen. Ich muß gestehen: Gelangweilt habe ich mich nicht. Diesmal ist R. Pattinson der maskierte Rächer in Gotham City, wo es andauernd dunkel und düster ist. Er ist hinter dem Riddler her, der ihm teuflisch/tödliche Rätsel zum Lösen aufgibt. Außerdem muß er sich mit üblen Fällen von Korruption beschäftigen, in die möglicherweise sein (ermordeter) Vater verstrickt war. Wie gesagt, das war alles recht kurzweilig. Zum Glück wurde auf jede Form von Selbtironie oder -referenz verzichtet, so daß am Ende ein Actionfilm um einen kostümierten Mann bleibt, über den niemand lacht. Gibt Schlimmeres. Fans werden „The Batman“ sowieso gesehen haben, für Einsteiger ist er eventuell etwas zu komplex.

Atomkraft Forever“ ist der Titel einer französischen Doku aus dem Jahr 2020, die sich in weiten Teilen mit den Folgen des Ausstiegs der BRD aus der Atomkraft beschäftigt. Das ganz große Plus dieser Doku ist ihre Unaufgeregtheit. Ruhig und sachlich kommen hier verschiedenste Meinungen zu Wort, es wird nicht polemisiert oder polarisiert. Deutlich wird, daß Atomenergie deutliche Vorzüge, aber auch eklatante Nachteile gegenüber anderen Energieträgern hat. Die Filmemacher enthalten sich jeglichen Urteils, sondern stellen kühl und sachlich Fakten zusammen, so daß jeder am Ende selbst zu einem Urteil kommen muß. Nun hat wohl jeder eine ziemlich feste Meinung über Atomkraft. Trotzdem sollte man sich mal die Mühe machen, sich diesen Film absolut neutral anzuschauen. Empfehlung!

So, Endspurt für 2025. Politthriller sind auch so ein Lieblingsgenre von mir. Von daher nahm ich mir mal „Kingmaker“ (DK 2024) vor. Hier geht es um einen ehemaligen Investigativjournalisten, der nochmal als Praktikant (!) an seiner ehemaligen Arbeitsstelle eingesetzt wird. Als er den Mord an einem Mitarbeiter des Innenministers untersucht, muß er sich mit den neuen Realitäten der Medienwelt auseinandersetzen. Schnell wird klar, daß die Anführerin einer rechtspopulistischen Partei eine große Rolle in etwas spielt, was eine waschechte Verschwörung sein könnte. (Ich denke mal, daß es kein Zufall ist, daß diese Parteichefin optisch an eine andere rechtsextreme Politblondine hierzulande erinnert.) „Kingmaker“ benutzt Versatzstücke des klassischen Politthrillers und macht das recht ordentlich. Da werden falsche Fährten gelegt, Loyalitäten wechseln, Wendungen überraschen. Der ganz große Wurf war es letztendlich nicht, solide Kost aber schon.

Manchmal schaue ich ja Filme, die alle schlecht finden, ich aber nicht. Genau so einer ist „Das Licht“ von T. Tykwer. Dem Film wurde u.a. zum Vorwurf gemacht, daß er den Versuch unternommen hat, relevante Themen wie Flucht/Migration, Klimaprotest und -aktivismus oder Vereinzelung in der Gesellschaft bzw. Selbstisolation miteinander in einem Film zu verknüpfen. Und das alles innerhalb einer einzelnen Familie. Aber wieso denn auch nicht? Das sollte einem Regisseur, der mehr machen will als bloße Unterhaltung, doch zugestanden werden! Wenn er in einer Szene die Tochter des Hauses die Widersprüche, in die sich die als aufgeklärt gelten wollende Familie verheddert, aufzählen lässt, ist da viel Wahrheit drin. Auch wurde bemäkelt, daß L. Eidinger, der den überforderten Familienvater gibt, mal nackt durch eine Szene läuft. Ja, haben wir denn wieder 1952, oder was? Eidinger punktet nämlich andererseits dadurch, daß er sich mal zurücknimmt und nicht, wie sonst, overactet. Zudem schafft der Film, was ja auch nicht ganz unwichtig ist, einige sehr schöne Bilder, und man sieht, daß Tykwer sein Handwerk versteht. „Das Licht“ ist einigermaßen kontrovers, aber bestimmt nicht uninteressant.

Vom nächsten Film muß ich dagegen dringend abraten. In „Ein Serienkiller kommt selten allein“ (OT Vicious Fun, 2020) verschlägt es den Filmkritiker eines Horror-Magazins in ein Motel, in dem außer ihm nur eine Gruppe Serienkiller logiert, die eine Art Selbsthilfegruppe darstellen soll. Der Filmnerd muß wohl oder übel vorgeben, einer von ihnen zu sein, oder er wird das nächste Opfer. Diese vielversprechende Ausgangslage wird – Spoiler! – schon nach ganz kurzer Zeit wieder fallengelassen, und dann beginnt ein wirres Durcheinander, in dem viel gemordet wird. Das ist so dermaßen unlustig und schlecht gespielt, daß die 100 Minuten als nichts anderes als Lebenszeitdiebstahl bezeichnet werden können.

Neues Jahr, neues Filmglück! Mitte Januar stand zunächst „Islands“ auf dem Programm. S. Reily spielt hier einen relativ ausgebrannten ehemaligen Tennisprofi, der nun seine Brötchen (seinen Schnaps, seine Drogen) als Tennislehrer in einem Hotel auf Fuerteventura verdient. Sein Leben verläuft eintönig und wird nur durch viel Alkohol und schnellen Sex aufgepimpt. Bis er eines Tages den Jungen eines Touristenpaares unterrichtet und sich zu der jungen Mutter (S. Martin) hingezogen fühlt. Er freundet sich mit den dreien an, wobei ihm schnell klar wird, daß die Eltern des Jungen nicht besonders glücklich miteinander sind. Nach einer Sauftour mit dem Vater ist dieser am Tag darauf verschwunden und die Mutter verwickelt sich in Widersprüche… Alles in allem nicht schlecht; Reily spielt glaubwürdig desillusioniert, erwacht dann aus seiner Lethargie und kriegt am Ende sogar vielleicht die Kurve.

Diese Kurve kriegt der Protagonist in „Sisu“ (SF bzw. FIN 2022) schon ganz am Anfang, denn er findet in der finnischen Einöde eine Goldader. Als er das Metall aus der Erde gekratzt hat, macht er sich auf den Weg in die nächste Stadt, um es zu Geld zu machen. Dumm nur, daß es das Jahr 1944 ist und in Finnland gerade viele Nazis marodieren. Zum Glück ist Aatami ausgebildeter Ex-Elitesoldat und so weiß er mit den Nazischergen, die seinen Weg kreuzen, angemessen umzugehen. Das ist erfrischend anzusehen. Hauptdarsteller J. Tommila muß nicht viel reden (aber viel agieren), die Filmemacher hatten richtig Bock drauf, Nazis zu killen, und haben das mit einem geringen Budget sehr überzeugend umgesetzt. Ein kleiner, fieser Film mit viel ganz schwarzem Humor und der richtigen Message.

Nun noch ein Ausflug in die britische upper class: „Downton Abbey – Das große Finale“ spielt Anfang der 1930er Jahre und die feine Familie Grantham muß sich den Anforderungen der Zeit stellen. Irgendwie fließt das Geld nicht mehr ganz so üppig von unten nach oben, und so muß – Horror! – daran gedacht werden, den Sommersitz der Familie in eine – Arrgh! – Stadtwohnung umzuwandeln. Wo auch noch andere Parteien wohnen!! Außerdem steht ein Führungs- bzw. Generationenwechsel an. Die Familie soll fortan von der ältesten Tochter (M. Dockery) geleitet werden – und diese ist gerade – Skandaaal! – frisch geschieden. Wer die Serie und die beiden vorherigen Spielfilme gemocht hat, bekommt hier ein würdiges Ende der Geschichte serviert. Mit dem üblichen Prunk, Kostümen und veralteten Verhaltensweisen von vor fast 100 Jahren. Für den fortschrittlichen Menschen ist schön, anzusehen, daß sich die Klassengegensätze zumindest beginnen, sich aufzulockern.

Ok, soviel für heute! In der nächsten Folge geht es u.a. um Atomkraft forever! Und jetzt raus aus dem Internet! Steht nur Mist drin!