Von Chrisz Meier (03.02.2026)
Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.
Meine Beobachtungsergebnisse möchte ich gerne weitergeben, sei es als Empfehlung, sei es als Warnung, denn Lebenszeit ist kostbar. Und da ich in letzter Zeit irgendwie einen Lauf habe, geht’s hier schon weiter mit den Fails&Strikes der Filmindustrie.
Hat sich schon mal jemand gefragt, wie viel so ein US-amerikanischer Rettungssanitäter eigentlich im Jahr verdient? Die – natürlich erschreckende – Antwort liefert „Code 3“ von 2025. Hier geht es um einen solchen, der seinen Job schon zu lange gemacht hat und jetzt nicht mehr kann. Gespielt wird er von R. Wilson, der mir zuerst in der genialen Serie „Six Feet Under“ aufgefallen war. In „Code 3“ ist er entschlossen, das Handtuch zu werfen. Ein Bewerbungsgespräch bei einer Versicherung hat sogar Erfolg. Nun muß er zusammen mit seinem Kollegen noch eine letzte 24-Stunden-Schicht abreißen – und auch noch eine unerfahrene Sanitäteranfängerin unter seine Fittiche nehmen. Zum Glück ist der Film mit viel schwarzem Humor erzählt, sonst wäre er nur schwer zu ertragen. Die Situationen, in die die drei geraten, sind zumeist nervenzerrüttend bis erschütternd und man fragt sich ständig, wer so einen Job eigentlich immer noch freiwillig macht. „Code 3“: Empfehlung!
Etwas völlig anderes waren die „Memoiren einer Schnecke“. Ein Film mit handanimierten Puppen, der das Leben einer Außenseiterin/Einzelgängerin zeigt – und das ziemlich schonungslos. Erzählt werden die wenigen Hochs und vielen Tiefs der Haupt„darstellerin“ Grace, die sich Schnecken als Haustiere hält und sich auch selbst zunehmend in ihr, wenn man so will, Schneckenhaus zurückzieht bis… Ja, bis das Leben ihr auch mal eine Sonnenseite zuwendet. Das Schöne an diesem Film ist, neben den handwerklich liebevoll und detailreich gestalteten Sets und Figuren, daß er zwar melancholisch und sentimental, aber niemals kitschig oder rührselig daherkommt. Aber Achtung, Eltern: Für Kinder sind die Memoiren noch nicht geeignet.
Auch gar nix für Kinder ist „The Other“, obwohl solche tragende Rollen spielen. Hier geht es um ein kinderloses Paar, das ein Mädchen adoptiert, das nicht spricht. Und das eine trostlose Vergangenheit hat. Als Zuschauer soll man also annehmen, daß mit ihr etwas nicht stimmt. Nun wird die Adoptivmutter aber doch noch schwanger und merkwürdige Dinge passieren… Ich habe auf jeden Fall schon deutlich schlechtere Horrorfilme gesehen, auch wenn dieser nicht besonders gut ist. Immerhin schafft er es aber, einige der wohlerwarteten Wendungen zu umgehen und auch einige beliebte Klischees, was z.B. die Darstellung von Vätern in Horrorfilmen angeht, werden sorgfältig vermieden. Alles in allem ist „The Other“ besser als sein Ruf, wenn auch nur etwas.
J.J. Liefers schaue ich mir normalerweise nicht an. „Alter weißer Mann“ mit ihm in der Titelrolle bekam ich allerdings empfohlen von jemand, der Filme genau so gerne beobachtet wie ich. So nahm ich diese deutsche „schrullige Komödie“, wie es im Internet heißt, mal mit. Liefers spielt einen deutschen Spießer, der befördert werden möchte und befürchtet, als zu toxisch für eine Führungsposition angesehen werden zu können. Also beschließt er, von nun an politisch korrekt zu sein und dies seinem Chef, seiner Kollegin und einer kritischen Gutachterin bei einem Abendessen mit seiner selbstverständlich bunten Familie und seinem Vater zu beweisen. Klar, was passiert. Die Fettnäpfchen, in die getreten wird, sind metergroß, wenn alle gängigen Vorurteile, Diskriminierungen und Rassismen durchdekliniert werden. Als Satire wirkt dies deutlich zu bemüht, um wirklich treffend zu sein. Für ein paar Lacher ist er aber gut und die grundsätzliche Message stimmt natürlich auch.
Die Filme der Alien-Reihe habe ich alle verfolgt, auch „Prometheus“ (2012) und „Covenant“ (2017). Jetzt also „Romulus“. Dieser spielt 20 Jahre nach dem ersten, dem Original-Alien. Von daher haben die Macher den Look des mittlerweile siebten Teils der Reihe an den des 1979-Klassikers angelehnt, was ihnen auch ganz gut gelungen ist. Weniger gelungen ist ihnen das Drehbuch. Denn obwohl ich den Film vor weniger als drei Monaten sah, brauchte ich doch einige Gedächtniskrücken, um rauszubekommen, um was es in ihm eigentlich ging. Jetzt weiß ich es wieder so einigermaßen: Es ist der Versuch, die ganze Geschichte, die wir seit sechs Filmen kennen, von vorne zu erzählen. Etwas wirklich Neues kommt hier nicht dazu. Nur die Hauptdarsteller sind jünger. Diese Zielgruppe könnte „Romulus“ also nutzen, um ihre eigene „Alien“-Erinnerungen zu schaffen. Ich dagegen kann sagen, daß ich einmal rum und damit raus bin.
Wie wäre es denn mal mit einer Musik-Doku? Obwohl, „Musik“ ist in diesem Fall deutlich zu hoch gegriffen, handelt es sich doch um eine Doku über Scooter. „Fck 2020“ beginnt punktgenau mit der letzten Pandemie und den damit verbundenen Restriktionen für Livemusik. Gezeigt wird hauptsächlich H.P. Baxxter, der als Kopf der „Band“ jetzt versuchen muß, weiterhin Geld zu generieren, denn die Haupteinnahmequelle, Livegigs, ist weggefallen. Und der Lebensstil des blondgefärbten Hedonisten ist teuer, sauteuer. Was also tun, um an Geld zu kommen? Auch wenn die Songs von Scooter unerträglich sind, so geht doch eine Faszination von ihnen und von Baxxter aus; das ist durchaus nicht uninteressant zu beobachten. Zudem bekommt man einen Einblick in das Geschäft, in dem mit Musik richtig Asche verdient wird. „Fck 2020“ ist eine Empfehlung, auch wenn man Ohrenstöpsel braucht.
Und hier noch eine von diesen Hitman-versaut-Auftrag-und-muß-abhauen-Actionkomödien, diesmal mit dem Titel „London Calling“ (2025). Hier kommt als Handlungselement dazu, daß dieser Hitman den Sohn desjenigen, der ihn nach seiner Flucht beschützt, „zum Mann machen“ soll. Was bei dem nerdigen Fattie, den er dann untergeschoben bekommt, gar nicht so einfach zu sein scheint. Jetzt haben wir also die Zwei-ungleiche-Buddies-Komödie. Und das Fazit ist: Schnell gesehen, leicht amüsiert, schnell vergessen. Wenigstens der Humor stimmt hier und da.
Mit dem letzten Tip für heute wird es nochmal ernster. „Sep Ruf – Architekt der Moderne“ erzählt schon im Titel die gesamte Handlung. In dieser Doku aus dem Jahr 2025 wird über eineinhalb Stunden nichts anderes behandelt. Ruf war derjenige, der u.a. den berühmten Kanzlerbungalow entworfen hat, in dem einige der BRD-Regierungschefs tatsächlich während ihrer Amtszeit gewohnt haben. Und ganz ehrlich: In dieses moderne, lichtdurchflutete und formschöne Haus der 60er Jahre würde ich sofort einziehen. Da mir dieser Bungalow schon bekannt war, war es interessant, mehr über die andern Werke Rufs zu erfahren. Wer sich für moderne Architektur erwärmen oder sogar begeistern kann, sollte hier gerne mal hinsehen.
Ok, soviel für heute! In der nächsten Folge geht es u.a. um Atomkraft forever! Und jetzt raus aus dem Internet! Steht nur Mist drin!
