Die drei ???: Toteninsel – Tim Dünschede – D 2026

Von Matthias Bosenick (28.01.2026)

Die fünfte Verfilmung und die dritte vom gleichen Team ist die erste, die nicht ein US-Original als Buchvorlage oder zumindest als Inspiration hat: André Marx schrieb „Toteninsel“ als ersten dreiteiligen Sonderband, Episode 100 der Reihe „Die drei ???“. Fürs Kino arbeitete er die grandiose Geschichte angemessen um, denn auch bei eindreiviertel Stunden Spielzeit wäre die Komplexität der Buchvorlage nicht unterzubringen gewesen. Gelungen umgesetzt – und „Nacht in Angst“, ebenfalls von Marx, ist als nächste Fortsetzung angekündigt.

Das Buch „Toteninsel“ ist bereits 25 Jahre alt und markierte einen Wendepunkt bei den drei Juniordetektiven aus Rocky Beach: Danach fiel die Fall-Qualität nämlich stark ab, bei gleichzeitiger Zunahme des Zuspruchs von Seiten eines nachwachsenden Publikums; große Nachfrage, mehr Output nötig, geringere Qualität. Somit markiert „Toteninsel“ einen Zenit in der Serie. Auch in der Hörspielfassung: Drei LPs, drei Stunden, so lang war nie zuvor eine hörbare Episode aus Rocky Beach. Und sie war gut, hielt die Dramaturgie, auch mit einigen Laber-Strecken, die aber noch längst so stark ausuferten wie in den Hörspielen jüngerer Zeit.

Und dann die Geschichte: Ausgerechnet Erzfeind Skinny Norris beauftragt die Drei Fragezeichen damit, etwas über eine illegal operierende Archäologengruppierung namens Sphinx herauszufinden – weil er von seinem Arbeitgeber damit beauftragt wurde, diese Gruppe auf einer geheimen Mission auf die Insel Makatao in Mikronesien zu begleiten. Weil Skinny eben Skinny ist, schmuggelt er Peter an seiner Statt auf das Schiff, der sich nun den skeptischen Fragen seiner kriminellen Mitreisenden ausgesetzt sieht, die ihn für Skinny halten. Auf der Vulkaninsel entdecken sie die verborgene Grabkammer eines vergessenen indigenen Volkes, in dem sie indes mehr finden als nur Knochen. Als dann auch Justus und Bob dank der Hilfe von Ermittlerfreundin Jelena Charkova die Insel erreichen, kommen immer mehr Verstrickungen ans Tageslicht, bis hin zu US-Geheimdiensten und Atombomben. Am Ende lässt die Sphinx keine Fragen offen.

Für den Film entwirrte Marx seine Geschichte: Das erste Buch mit den Ermittlungen zu Sphinx stimmt noch reichlich überein, doch bereits das zweite Buch mit der Überfahrt und dem Aufenthalt auf der Insel erfährt einige Straffungen. Komplett umgeschrieben ist das dritte Buch: Hintergründe, Ziele und Hinterleute sind an eine schnellere, schlüssigere Erzählweise angepasst und in sich ebenso stimmig wie die sympathisch überdrehte erste Fassung. Bei aller Erzähldichte ließ Marx dennoch ausreichend Luft inmitten der Action, um die Figuren sich ausleben zu lassen. Die Mischung geht erstaunlich gut auf.

So kommt es, dass Marx die Hauptfiguren und deren Eigenarten nicht schont: Der gebildete Klugscheißer Justus ist ein arrogantes Arschloch, das darf er gern gespiegelt bekommen, insbesondere, sobald er sich gegen Bobs Freundin Jelena stellt, weil er in ihr eine Konkurrentin sieht und versucht, sie gegen Peter und Bob auszuspielen. Die ihn indes durchschauen und mit klugen Sprüchen sticheln – was in den Hörspielen (und vermutlich auch den Büchern) so nicht üblich wäre, da ist Justus ein Übermensch, der zwar nervt, dem aber niemand gewachsen ist. Umgekehrt ist Peter hier nicht der ungebildete Sportler, dem man alles erklären muss; hier sind die individuellen Fähigkeiten der drei aus dem Hauptteam sinnbringend aufgeteilt und eingesetzt. Somit ist es glaubwürdiger, wie die drei interagieren, nicht so sehr als interne Konkurrenten wie bisweilen in der Hauptserie.

In dieser dritten Verfilmung mit identischem Team gewöhnt man sich auch an die Wirkung der Figuren. Zwar sieht Bob so aus, wie man sich Peter vorstellt, nachdem man das Vollplaybacktheater verinnerlicht hat – das übrigens die „Toteninsel“ seinerzeit exklusiv als Hörspiel für die Bühne umsetzen durfte, bevor es im Handel erhältlich war –, doch passt das schon so. Auch Mathilda und Titus sind okay so, wie sie sind, dieses Mal treten sie nicht so übertrieben auf wie in den Filmen davor. Ebenso Inspektor Cotta, der gern ein smarter dreitagebärtiger Cop sein darf. Passt so. Kurios ist abermals, dass der eigentlich als Arschloch angelegte Skinny hier immer aussieht wie einer von den coolen Jungs aus der Subkultur, Post-Punk oder New Wave oder so. Auch das ist in Ordnung – optisch macht er eben einfach mehr her als die drei angepassten Streber.

Was diesen Film zum Film macht, ist, dass man sieht, dass es sich nicht lediglich um eine abgefilmte Geschichte handelt, sondern dass hier filmische Mittel zum Einsatz kommen. Perspektiven, Schnitte, Details, Stimmungen: Regisseur Tim Dünschede arbeitet hier ausdrücklich fürs Kino. Und bietet dort noch mehr: Einen Score etwa, der eine komplett eigene Note hat, nämlich Klassik und Electro kombiniert. Auch erfassen die Darsteller, und von denen braucht die Geschichte einige, dass sie es nicht mit einem Kinderfilm zu tun haben; niemand agiert albern überzogen, man spürt, dass sie das Sujet ernstnehmen.

Auch wenn das Drehbuch hier einiges an unterschwelliger Bedrohlichkeit herausnimmt, die man aus der Hörspielumsetzung kennt, arbeitet es einiges ein, das die Fans bedient. Einmal generiert es nach „Erbe des Drachen“ und „Karpatenhund“ eine innere Chronologie, die auch „Das Geheimnis der Geisterinsel“ und „Das verfluchte Schloss“, die beiden vor 20 Jahren erschienen ersten Verfilmungen, ausklammert, ebenso die Buchvorlagen. Die indes klammert „Toteninsel“ in den aus den beiden vorherigen Filmen bekannten Eastereggs ein: Ein Firmenlogo sieht aus wie der Tanzende Teufel von Covergestalterin Aiga Rasch, andere Titel fallen wie nebenbei, „das ist der Magische Kreis, den man drücken muss“, sagt Dr. Maria Svenson etwa vor der antiken Geheimtür. Das bedient natürlich die Checker, ohne indes die Neulinge zu verprellen, die finden hinreichend eigenes Futter.

War „Das Erbe des Drachen“ noch etwas schwierig gutzufinden, punktete das Team mit „Karpatenhund“ und übertrifft sich nun mit der „Toteninsel“. Wenn das Kammerspiel „Nacht in Angst“ das Level hält, darf man sich davon viel versprechen.