Sacred Buzz – Sacred Buzz – Sound Effect Records 2026

Von Matthias Bosenick (12.10.2026)

Nun ist auch das Album da! Sacred Buzz aus Berlin lieferten bereits einige Singles und eine EP, nun gibt’s den retroseligen fuzzy Orgel-Rock des Quartetts auch mal in Langzeit. Und das funktioniert! „Sacred Buzz“, das Album, das so heißt wie die Band, lässt sich nicht in nur eine Kategorie sortieren. Psychedelisch, garagig, tanzbar, gruftig, „Sacred Buzz“ ist eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch die Musikgeschichte.

„Hive Mind“ hat gleich zum Einstieg etwas von den alten The B-52’s, die Orgel im flotten Uptempo-Rock, dazu der mantraartig wiederholte Refrain und die nicht nur subliminal gute Laune. Schon hier hat die Musik das Psychedelische in der Grundstruktur, das sie über Spielzeit nicht drangibt, auch wenn sich das Gewand der Lieder verändert. Rock’n’Roll im weitesten Sinne machen Sacred Buzz, nur dass sie ihn strukturell nicht den Regularien unterwerfen. Eine radiotaugliche Songlänge haben nur drei der acht Stücke, das sagt schon viel aus, und so nehmen sich Sacred Buzz eben auch die Zeit und das Recht, sich in Loops und Hypnosen zu verlieren, ohne dass es dem Faden genau so geht. Die Orgel mit ihren erhellenden repetitiven Beiträgen tut das Ihrige dazu, so ein Flanger oder andere Effektpedale kaum weniger.

Für „Blight Town“ schalten Sacred Buzz mehr als einen Gang herunter, was das Tempo betrifft, aber nicht die Intensität. Die greift die Single „Nothing To Hide“ auf, das Mantra, das mit kratziger Gitarre und einem nicht nur angedeuteten Rave-Rhythmus einen Sog bildet. Mit „Down And Out“ steigt die Band tief hinab in die Dunkelheit, das Lied erinnert an England in den späten Achtzigern, sehr gebremst, beinahe gruftig, die Orgelmelodie begleitet den Song melancholisch. Joy Division, The Smiths und der Berliner David Bowie schwingen hier mit. Die „Simulation“ flötet auf einem langsameren Surf-Twang, dieses Mal bleibt die Orgel verstaut. Weniger Groove hat das Stück deshalb mitnichten, zudem dreht der Flötist im Reigen mit der Gitarre auch mal kurz auf.

„Glow!“ erweckt den Eindruck, weiterzusurfen, allerdings komplett ausgebremst, hier kommt das Gruftige wieder deutlicher durch, das Dunkle, Schwermütige. Und die Orgel. Und das Psychedelische, die Gitarre liefert gleich eine Antwort auf mögliche Depressionen: Eskapismus. „Lost Highway“ kennt man bereits als Single, da hebt die Band das Tempo wieder an, hier ist die Ähnlichkeit zu 22 Pistepirkko am größten. Der achteinhalbminütige langsame Abschluss „Trapped Inside The Dream“ kombiniert wieder wunderbar das Wavige mit dem Psychedelischen. Das Stück mäandert durch die Emotionen, als beruhe die Existenz der Band ausschließlich darauf – ein bombastisches Finale.

Eigentlich sind Sacred Buzz zu viert: Die Eheleute Jane Skvortsova mit Keyboards und Background-Gesang sowie Ivan Skvortsov mit Gitarre und Gesang, Mike Denton am Bass und mit weiterem Gesang und Sergio Sanzone am Schlagzeug. Zwei Gäste holte sich das Quartett ins Studio: Andrea Mirabella für die genannte Flöte und Mauro Retamales für Congas im spacigen Finale. Auf das Artwork legt die Band zudem besonderes Augenmerk, das kommt vom indonesischen Künstler Ardneks.