Von Matthias Bosenick (30.09.2026)
Pam Risourié ist kein:e Einzelkünstler:in, sondern eine ganze Band, in der immerhin die Position an Mikrofon und erster Gitarre Pam heißt, also ganz wie bei Nena, Alice Cooper oder Marilyn Manson. Fünf Menschen aus Paris erstellen miteinander seit 2019 eine Musik, die sie selbst und mit ihnen ihre Hörerschaft leicht zwischen Shoegaze und Dreampop einzuordnen in der Lage sind. „I’ll Never Be Human“ ist nach einigen EPs und Singles erst ihr zweites Album, und es erweitert die Schublade um Fuzz, Kraut und sonstige weitere Indierockgenres.
Verhuscht gesungen, übersteuert gespielt: So klingt Shoegaze, versetzt mit – teilweise sogar klar gespielten – schönen Melodien und Harmonien, verlangsamt, trotzdem voll und so gelöst, dass alles in Richtung Unendlichkeit driftet. Schönheit und Lärm geistern Hand in Hand durch diese acht Stücke, die sich nicht an konventionelle Songstrukturen halten, wie es sich gehört, sondern eigenen Ideen von Aufbau, Spannungsbogen und Verweigerung folgen.
Das alles schreit selbstverständlich nach den späten Achtzigern bis Neunzigern, nach My Bloody Valentine, Slowdive, den Telescopes, frühen Wheat und vielen weiteren Vertretenden der Shoegaze-, Dreampop- und individuellen Indierock-Szene, vornehmlich aus Eng- oder Schottland, mit einer Prise US-Indie, allerhöchstens mit Blick auf manche gehauchte Gesangspassage – etwa in „Reborn“ oder „You, The Drug And The Rain“ – mit einem leichten, schwülen Chanson-Einschlag, insbesondere, wenn die zweite, etwas tiefere Stimme, die von Gitarrist Lucas Ramos, das Mikro übernimmt. Doch sind all dies nur Assoziationen, denn Pam Risourié arrangieren die Zutaten auf eigene Weise, geben dem Bass mal einen wavigen Groove mit, lassen die Akustische dominieren oder versetzen dem Schlagzeug etwas beim Krautrock abgelauschtes latent Treibendes. Schönheit ist ein ständiger Begleiter, mal mehr, mal gar nicht unter Verzerrungen verborgen.
Namensgeber Pam – auf den Fotos zumindest ist keine Frau zu sehen – hat offenbar keinen Nachnamen, heißt an anderer Stelle aber Rémi, Herr Ramos ist bereits genannt. Eine dritte Gitarre spielt Antonin Dorlipo, den Bass Georges Scott und das Schlagzeug Maxime Moreaud. Zumindest galt dies für das vortrefflich betitelte Debütalbum „Days Of Distortion“ vor drei Jahren. Die erste Veröffentlichung war direkt im Gründungsjahr 2019 die „Rituals EP“, seitdem stapeln sich die EPs, Singles, Tapes und nun auch Alben in Paris.
