Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: The Dark Side of John Peel

Von Onkel Rosebud

In meinem Text über Lutz Schramm, der im Dezember 2025 auf KrautNick erschienen ist, habe ich den Radio-DJ aus dem Land, dass es nicht mehr gibt, und der meinesgleichen auf den richtigen musikalischen Weg gebracht hat, als „John Peel des Ostens“ bezeichnet. Das möchte ich hiermit zurücknehmen und mich ausdrücklich bei Herrn Schramm entschuldigen. Lutz, Alter, aufgrund des großen Auflaufes am 9. August 2023 zu Ehren des 30 Jahrestages des Radioformates Schlagseite, wofür ich regelmäßig Beiträge abliefere, kannst Du Dich vermutlich nicht erinnern, mit mir den stammeligen Wortwechsel absolviert zu haben, wie sehr Deine Radiosendung „Parocktikum“ meine popkulturelle Menschwerdung beeinflusst hat. Ich knie vor Dir nieder und werde niemals wieder in Zusammenhang mit Dir die Bezeichnung, „Irgendwas des Ostens“ gewesen zu sein, verwenden und – vor allem, Dich mit dem Kinderficker John Peel in Verbindung bringen.

Der ehemalige BBC-Radio-DJ John Peel ist ein nationalen Schatz Großbritanniens. Von den 1960er Jahren bis ein Jahr vor seinem Tod im Jahr 2004 stand Peel an der Spitze musikalischer Innovationen und nutzte seine Position als langjähriger Radiomoderator beim bedeutendsten Sender in UK, um musikalische Talente zu fördern und zu würdigen, von T. Rex bis Blur. Deshalb gilt er bis heute als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der britischen Musikindustrie. Auch meine DJ-DNA hat er mit seinem Credo nachhaltig beeinflusst. „Eine Balance zwischen Stücken, von denen man weiß, dass die Leute sie mögen werden, und von Stücken, von denen man denkt, dass die Leute sie mögen werden“, ist die Essenz meiner Motivation, warum ich überhaupt DJ geworden bin.

Leider habe ich erst im Juni 2026 mitbekommen, dass bereits seit 1989 Vorwürfe gegen den Radio-DJ laut wurden und im Jahr 2012 eskalierten, er habe sexuelle Handlungen mit einer Reihe minderjähriger Mädchen vorgenommen. Für Details verweise ich auf die unten angegebenen Quelle. Interessant in diesem Zusammenhang ist ja, dass es im deutschen Sprachraum bis heute quasi keine Berichterstattung dazu gibt. Auch keine Statements von deutschen Bands, die er protegiert hat und die auch heute noch neue Musik veröffentlichen und auf Tour gehen, zum Beispiel FSK, Can, Faust, Xmal Deutschland, Robert Görl (DAF), Atari Teenage Riot, Alec Empire, Schneider TM, Propaganda, Amon Düül II, Tangerine Dream, Apparat, DJ Hell und Chicks On Speed. Ich kann nicht begreifen, wieso diese Künstler denken, dass sie damit durchkommen, wenn sie die Fakten unter den Teppich kehren. Fahrt zur Hölle, ihr Ignoranten.

Und wirklich widerlich ist die Nonchalance, mit der John Peel feierlich und ironisch seine Machtposition, mit Hilfe er nachweislich 13-Jährige sexuell missbraucht hat, wegmoderiert. Er schiebt die Verantwortung auf die Mädchen selbst. Er hat sich weder entschuldigt oder versucht, sich selbst von der Verantwortung, die solchen sexuellen Begegnungen innewohnt, freizusprechen. Denn, was ja auch nicht geht, ist über Menschen nicht mehr zu reden, weil sie Fehler gemacht haben.

Womit ich bei dem sehr komplexen Thema, ob man Künstler und Werk trennen darf, angekommen bin. Darf man noch Michael Jackson hören? Oder Rammstein? Die Boxhamsters? Kann man Roman Polański Auszeichnungen verleihen oder überhaupt noch Werke von Richard Wagner aufführen? Taring Padi, Picasso, Woody Allen, R. Kelly, Kevin Spacey, Neil Gaiman? Die Liste ist endlos und das kann nur jeder für sich für jeden Einzelfall beantworten. Einerseits, alles und alle immer gleich stummzuschalten, ist gefährlich und autoritär, aber unsere Aufmerksamkeit ist auch politisch: Sie zu entziehen, kann die Gesellschaft besser machen.

Investigativ-Onkel Rosebud

Quelle: https://faroutmagazine.co.uk/the-dark-side-of-john-peel-abuse-claims/