Von Matthias Bosenick (14.09.2026)
Post Rock! In „White Shores“ ist alles drin, was man unter diesem Etikett erwartet: elegische Endlosigkeit, wehmütige Gitarren, Laut-Leise-Dynamik, sowas, und nicht drin, ebenfalls wie üblich, ist Gesang. „White Shores“ ist das fünfte Album der Band Hubris. aus Fribourg in der Schweiz, in Eigenschreibweise in Minuskeln und stets mit Punkt dahinter. Sachen zu entdecken gibt’s hier natürlich trotzdem, dafür sorgt die Band.
Insgesamt bewegt sich „White Shores“ auf vertrautem Terrain: leicht groovendes Midtempo, die Gitarre eher auf Fläche als auf Riff ausgelegt, schöne Melodien und Harmonien, die bisweilen ins Hymnische gehen, und dazu immer wieder Frickeleien und sonstige Verspieltheiten an allen Instrumenten. Was zur Folge hat, dass die Band die elegisch-kontemplativen Ambient-Phasen immer wieder eruptiv unterwandert und zauberhafte voluminöse Gewächse zeichnet. Da bekommt die ansonsten flirrende Gitarre mal einen Fuzz aufgedrückt oder wird schärfer angebraten, da bricht unvermittelt der Takt, da scheinen Instrumente zum Einsatz zu kommen, die man nicht primär auf der Rock’n’Roll-Liste hat, wie ein Piano oder ein Synthie, und so. Das strukturell Unerwartbare erwartet man im Post Rock ja, daher verwundern solche Wechsel nicht, da hätte das Fehlen derselben für mehr Verwunderung gesorgt, sondern es ist die Ausformulierung, die hier die Akzente setzt.
Seit 2014 existiert die Band, bereits im Folgejahr erschien das Debüt „Emersion“, dem mit „White Shores“ das bereits fünfte Album folgt. Dieses ist das erste, das thematisch aus der Reihe tanzt; laut Info ließ sich Chefdenker Jonathan Hohl zuvor stets von der griechischen Mythologie inspirieren, wechselte für „White Shores“ indes zur modernen Mythologie von J.R.R. Tolkien. Die Tracktitel ergeben den Satz „Death Is Just Another Path“, ein Zitat von Gandalf aus der „Der Herr der Ringe“-Verfilmung, nicht aus den Romanen, wobei letzterer in „Path I“ und „Path II“ unterteilt ist, und jener zweite Pfad ist das musikalisch herausragendste Stück des Albums. Hier lässt die Gitarre Sounds wie aus dem Achtziger-Radiorock zu, die dann plötzlich in den Metal übergehen.
Etwas kurios ist, dass es zur Bandbesetzung kaum konkrete Infos gibt. Gitarrist Jonathan Hohl ist gesetzt, weitere drei Menschen sind auf Pressefotos zwar zu sehen, ihre Namen muss man aber googeln. Im Internet genannt sind insgesamt vier zusätzliche Beteiligte: Matthieu Grillet an der zweiten Gitarre, Lucien „Mousse“ Leclerc am Bass sowie fürs Schlagzeug Léo Juston, möglicherweise der Nachfolger von Nathan Gros. Grillet und Hohl sind außerdem nebenbei bei Mind Spun aktiv.
