Von Matthias Bosenick (31.08.2026)
Für sein zweiteiliges neues Programm „Phase“ – bestehend aus den Einzelveröffentlichungen „PhaseOne“ und „PhaseTwo“ – poliert Daniel Bressanutti, hier DNLB genannt, seine Synthies mit Glasreiniger. So klare Sounds, als säße der Mitgründer der belgischen EBM-Erfinder Front 242 direkt im Kopf der Hörerschaft. Und dort stellt er alles auf den selbigen: Was als Ambient beginnt, bekommt im zweiten Teil einen extrem scharfen Beat.
Ambient nach altvertrauter Art liefert „PhaseOne“, gemächliche minimale Melodiewiederholungen, dargebracht mit kraftvollen, dennoch zurückhaltenden Synthiesounds. Mit der Zeit bringt Bressanutti ebenso klare Beats dazu, sanft, als Strukturgeber, und moduliert die Synthiesounds dezent. Es passiert eigentlich nicht viel in den ersten 13 Minuten, aber das passiert sehr schön, angenehm, einnehmend, beruhigend, und eben mit der genannten Klarheit, die einen starken Sog ausübt.
Dazu steht „PhaseTwo“ wie ein Kontrapunkt, erstellt mit vermutlich denselben Mitteln: Abermals eine minimal wiederholte Synthiemelodie, doch ist der Beat dazu eisenhart und laserscharf. Hier steigert Bressanutti die Zutaten, fügt neue Synthies mit den gleichen minimalen Melodien hinzu, lässt den Beat temporär aussetzen, bringt das Bewusstsein der Zuhörerschaft zum Rotieren. Mittig drückt nahezu ausschließlich nur dieser Beat, so krass, wie man es in diesem Ambient-Umfeld nie erwartet hätte. Der Track fadet dann beatlos aus und bildet damit einen Zirkelschluss zum ersten.
Man ist hier alternierend geneigt, von Berliner Schule und von Achtziger-Pop sprechen zu wollen, doch wendet Bressanutti die vertrauten Elemente komplett eigen an. Das Reduzierte im ersten Track bei glasklarer Umsetzung verweigert das Wattig-Nebulöse vieler Ambientstücke, der scharfe Beat im zweiten Stück passt sowieso gar nicht zum Ambient, aber auch zu sonst nichts, was man erwarten würde, nicht zum EBM, nicht zum Techno, nicht zum – sagen wir – Psytrance. Was genau Bressanutti mit diesen „Phase“-Stücken im Sinn hat, lässt er umso unklarer, je klarer die Sounds werden. Einen inhaltlichen Bezug zum DNLB-Album „ElletroStrada26“ aus dem Mai gibt es nicht offensichtlich. Schlimm ist das natürlich nicht, vielmehr freut man sich über jede neue Musik aus dem Ex-Hause Front 242, insbesondere jetzt, da jene ihren Bühnenabschied nahmen.

