Von Matthias Bosenick (18.08.2026)
Was kommt dabei heraus, wenn man eine instrumentale Rockband und ein Blasorchester kreuzt? „GamGumSupon“, das neue Album von Kuhn Fu, verrät es – Rock’nRoll mit Big-Band-Sound, Hardrock mit Jazz und noch eine Menge mehr, das einem selbst gar nicht einfallen würde. Das achte Album, international besetzt eingespielt passenderweise zu acht, verzückt mit verrückten Haken, die die Musik fortwährend schlägt. Fett!
„Metal Jackson“ heißt das erste Stück, und ja, okay, so richtig Metal ist das zwar nicht, aber hart genug, um nicht unbedingt direkt daran denken zu lassen, dass diese Sorte Heaviness eine geglückte Liaison mit Blasmusik eingehen könnte. Aber sie tut es. Jedes der zwölf Stücke auf „GamGumSupon“ ist eine neue Überraschung, in jedem der Stücke stecken zwölf weitere Überraschungen, mindestens, es ist hier beinahe leichter, aufzuzählen, was man nicht zu hören bekommt. Meistens gehen Kuhn Fu mit hohem Energieausstoß zu Werke, die Musik ist fett, und zwar sowohl mit den Rock’n’Roll-Instrumenten als auch mit den Geblasenen, und noch mehr die Kombination aus beidem. Streckenweise flirren einem die Bläser wie Insekten um die Ohren, und während man noch versucht, sie zu fassen zu bekommen, rotiert der Rockmotor eilend voran.
Manche Tracks hätte man gern mal von, sagen wir, Rage Against The Machine nachgespielt gehört, manche sind entspannte Kopfnicker mit Groove, manche haben etwas Orientalisches – „Trippy Medieval“ im Rhythmus, „Graced With Gut’s Bounty“ eingangs in der Melodie –, „Party“ ist eine solche mit funky Licks, manche Passagen neigen ins Disharmonische, wenn das Saxophon schräg quält, während der Rest wohlsortiert weitergroovt, oder wenn mal das Gesamtbild zur Spannungssteigerung leicht schräg hängt, manchmal spielen die Musiker herum, wie im Intro zu „Slagroom“, „Schlagsahne“, in dem jeder Landbewohner im Saxophon das Quieken aus dem Ferkelstall erkennt, manchmal wähnt man sich inmitten eines Orchesters und fühlt sich an TV-Shows seiner Kindheit erinnert, aus den Siebzigern oder frühen Achtzigern, manchmal wuchtet das Schlagzeug wie bei John Bonham, manchmal dimmen Kuhn Fu die Energie herunter, wie in „Hairy Fish With Legs That Tries To Climb A Tree“, das aber trotzdem Verrücktheiten beinhaltet, „Seargant H.“ birgt ebensolche, aber andere, mit seinen Breaks, und auch Jangle-Pop und Folk-Gitarre sind irgendwo auszumachen.
Nicht nur ein überbordendes Füllhorn an Einfällen vermengt Bandchef Christian Kühn hier, er lässt seine sieben Mitmusizierenden diese Ideenvielfalt auch noch schlüssig transportieren. Mit dem Gitarristen spielen hier: Frank Gratkowski (Altsaxofon, Flöte, Klarinette), John Dikeman (Tenorsaxofon), Mateusz Rybicki (Tenorsaxofon, Klarinette), Ziv Taubenfeld (Bassklarinette), Sofia Salvo (Baritonsaxofon), Esat Ekincioğlu (Bass) und George Hadow (Schlagzeug). Diese Hochkaräter trommelte der Bandchef aus Deutschland, den USA, Polen, Israel, Argentinien, der Türkei und Großbritannien zusammen.
