Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Verdammt nochmal ein Milzriss: Scrubs

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin schaut gern Serien, die man nebenbei laufen und zu jeder Stimmung schauen kann, einfach weil sie wohlfühlig und meistens erheiternd sind. Die Sitcom „Scrubs“ ist so ein Fall. Die Krankenhausserie aus dem Jahr 2001 zeigt die Ängste und Probleme junger Ärztinnen und Ärzte, die keine Helden in weißen Kitteln sind. Auch dramatische OP-Szenen kommen nicht vor und vor allem auch keine anstrengenden Lachkonserven. Deshalb ist das eine gute Serie, auch für Nicht-Sitcom-Schauer wie mich. Die (fast) durchgängig liebenswerten Charaktere bis zur letzten Nebenfigur erfüllen zwar gewisse Stereotype, nerven aber kaum. Komplexe Zusammenhänge werden auf verdauliche Weise dargeboten. Im Prinzip geht es vor allem um Freundschaft und das ist ein Wert, den wir bei KrautNick hochhalten.

Hauptfigur und Erzähler in einer Person ist Dr. John Michael Dorian, genannt „JD“, ein junger, talentierter, aber auch leicht tollpatschiger und infantiler Internist. Seine surrealen Tagträumereien und seine ängstliche Off-Stimme führen durch den absurden Krankenhausalltag. Seine Stärke ist Menschlichkeit – ungewohnt für die Götter in Weiß. Das kann jeder nachvollziehen, der schon mal Zeit in einem Krankenhaus zugebracht hat. Die Plots der guten Geschichten der Serie bestehen darin, dass JDs zynischer und selbstverliebter Vorgesetzter, Dr. Cox, seinem jungen Kollegen auf eine nicht immer ganz schmerzfreie Weise beibringt, dass er sich nicht schuldig fühlen muss, wenn der Tod eines Patienten nicht mehr verhindern hätte können. Am emotionalsten sind aber die Momente, in denen sich diese Rollen umdrehen – und er seinen Helden Dr. Cox an das erinnern muss, was er von ihm gelernt hat.

Herausragend ist Folge 14 der 3. Staffel namens „My Screw Up”. Achtung Spoiler. Sie enthält den Serientod von Ben (großartig gespielt vom sowieso immer großartigen Brendan-die-Mumie-Fraser), Doc Cox’ bestem Freund. Letzterer ist wütend auf Ben, weil er trotz einer Leukämie in den letzten zwei Jahren keinen Arzt aufgesucht hat. Er weist JD an, sofort alle nötigen Untersuchungen zu machen, doch der hat eigentlich keine Zeit, weil er sich um seinen Patienten mit Herzproblemen sorgt. Als der Herzpatient plötzlich stirbt, gibt Dr. Cox ihm die Schuld dafür und schickt ihn nach Hause. Zwei Tage später ist Ede Cox deswegen immer noch im Krankenhaus und Ben versucht, ihn dazu zu bringen, zu einer Party zu gehen. Zudem will er, dass er sich bei JD dafür entschuldigt, weil er ihn für den Tod des Patienten verantwortlich gemacht hat. Draußen verschwindet Ben plötzlich und JD fragt Cox, ob er eigentlich wisse, wo er ist. Erst da merkt er, dass er nicht bei der Party, sondern auf dem Friedhof bei der Beerdigung Bens ist.

Das ist sehr rührend und wer da nicht heult, hat kein Herz.

Onkel Rosebud

P.S.: Funfact Koyaanisqatsi: Wenn Protagonisten böse gucken müssen, wird das zweimal in der Serie mit der Titelmusik aus dem 1982er Apokalypse-Klassiker unterlegt. Als der sonore Bariton von Albert de Ruiter zum ersten Mal eingesetzt, war das eine Inspiration für eine Kolumne über die Qatsi-Film-Triologie von Godfrey Reggio.