Colonel Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade – Return Of The Live Frogs: Volume 1 – ATO Records/Prawn Song 2026

Von Matthias Bosenick (14.07.2026)

Les Claypool schafft es, auch den Progrock-Verächtern den Progrock nahezubringen – indem er ihn auf seine Weise spielt und sämtliche Grenzen ignoriert. Seine Weise beinhaltet sehr viel Bass, selbstverständlich, so kennen wir es von seiner Hauptband Primus, und neben den genrespezifischen Ausuferungen auch solche mit Charaktereigenschaften, die der gewöhnliche Progrock nicht hat, wie Funk, Reggae, Walzer, Krautrock. 25 Jahre nach den ersten beiden Live-Würfen kehrt er nun mit Colonel Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade zurück, sagt auch der Titel: „Return Of The Live Frogs: Volume 1“, und der lässt zudem auf eine Fortsetzung hoffen.

Nur vier Songs, aber 42 Minuten Spielzeit, so viel Eigenschaft von Progrock ist dann doch auch bei der Frog Brigade gegeben. Diese vier Songs entnimmt Claypool seiner jahrzehntelangen Aktivität als eigensinniger Komponist in unzählbaren Projekten, genauer gesagt: drei Viertel von „Purple Onion“, dem einzigen Studio-Album dieses Projektes, 2002 dafür umbenannt in The Les Claypool Frog Brigade, sowie einen von „Of Whales And Whoe“, einem Claypool-Soloalbum aus dem Jahr 2006, und streckt diese Stücke erheblich. Interessanterweise dringt hier gleich von Anfang an die Seele des Projektes Sausage durch, mit dem Claypool 1994 ein nachgereichtes Album veröffentlichte. Dabei ist keiner der zwei anderen Mitglieder auch Teil dieser neuen Frog Brigade.

Mit einem erheblich beschleunigten Walzertakt beginnt dieser Mitschnitt, erfolgt während der „Hunt For Green October Tour“ im Jahre 2023. „Up On The Roof“ legt darüber hinaus gleich vor, was auch die anderen Tracks bereithalten: gniedelige Gitarre – das lässt der weltbeste Bassist Claypool auch bei Primus bereits zu, dass er hinter seinen Bandmitgliedern zurücktritt, sobald dies erforderlich ist –, Spielereien auf dem Saxophon und auf einem klimpernden Instrument, das nach Vibraphon klingt und vermutlich ein Keyboard ist, sattestes Schlagzeug und natürlich auch jedwede Besonderheit auf dem Kerninstrument, dem Bass, dazu die leicht quäkende Stimme Claypools, die er bisweilen durch einen Verzerrer schickt. Sicherlich duellieren sich hier die Musizierenden zwischendurch, doch nie um des Gewichses willen, sondern so, dass man es sich gern anhören mag. Freunde von „Ina-Gadda-Da-Vida“ von Iron Butterfly oder „Get Ready“ von Rare Earth wissen um die Freude an solchen Ausflügen.

Weiter geht’s mit dem ursprünglichen Solo-Stück „Phantom Patriot“, das einen Offbeat hat und damit zur fröhlichen Party auffordert. Einmal mehr nimmt man die typische Claypool-Zackigkeit wahr, die sich durch sein Werk zieht, egal, welchen Beat er seiner Musik zugrundelegt. Auch wahr nimmt man, dass experimentelle Verrücktheiten hier selbstverständlich neben kompletten Schönheiten stehen, und das innerhalb eines Songs. Das funky „D‘s Diner“ birgt die größten Überraschungen, mit einem knappen Synthie-Solo, einem Swing-Intermezzo und einem beschleunigten Abgang. Zuletzt führt der „Cosmic Highway“ eben dorthin, in den Kosmos, indes auf einem schnellen Krautrock-Beat, der beinahe technoid daherkommt. Bald wird der Song so psychedelisch und spacig, wie es der Titel andeutet, und steigert seine Energie.

Teil dieser Tour und somit Reunion waren im Grunde kaum Leute der ersten Inkarnation dieser Frog Brigade, bis auf Saxophonist Eric „Skerik“ Walton. Mike Dillon immerhin, hier als Perkussionist dabei, war auf dem Album „Purple Onion“ Teil der Brigade, Schlagzeuger Paulo Baldi war 2003 kurz vor der Auflösung Mitglied, sowie alle zusammen Teil der Les Claypool Fancy Band, die man auf der 2007er DVD „Fancy“ zu sehen bekommt. Die anderen beiden sind neue Frösche: Keyboarder Harry Waters, als Sohn von Roger Waters durchaus mit Progrock vertraut, sowie Gitarrist Sean Ono Lennon alias Captain Shiner, mit dem Claypool parallel „The Great Parrot-Ox And The Golden Egg Of Empathy“ herausbringt, das dritte Album von The Claypool Lennon Delirium, dessen beatleslastigkeit sich auf diesem Livemitschnitt hier nicht widerspiegelt, gottlob.