Von Onkel Rosebud
Das Lieblingsgenre meiner Freundin ist Coming of Age. Ich vermute, dass das Lebensgefühl als Sechzehnjährige für sie unwiederbringlich ist. Deshalb versanken wir vier Stunden in die Polstergarnitur, um mit der ZDF-Serie „Chabos“ und Teenagern aus Duisburg blendend unterhalten zu werden. Das Comedy-Drama führt nach einem BBC-Vorbild („Ladhood“, 2019-2022) als Zeitreise in die frühen Nullerjahre, wo die politische Korrektheit, einen Freund Alba zu nennen, weil man dachte, er sei Albaner, oder der homophober Kumpel PD heißt, weil er „Polendeutscher“ ist, noch nicht hinterfragt wurde.
Fünf Folgen lang ist das liebevoll-nostalgischer Erinnerungssport. Allein schon die Musik: Es werden Songs von u.a. Scooter, Overground, Eko Fresh, Alexander Klaws, Sabrina Setlur, Limp Bizkit, Linkin Park, Ween, Coldplay, Prodigy, Gigi D’Agostino, Eminem, Dido, No Angels oder Deichkind (Barbara Salesch – leider geil) verwurstet. Domian, Mola Adebisi und Jeanette Biedermann haben Gastauftritte. Zum Niederknien. Den größten Spaß machen jedoch die Zeitbezüge: Beispiel: Die Jungs überreden eine Mitschülerin, die später tatsächlich als Rapperin Karriere macht, an einer Castingshow („Germany’s Next Star“) teilzunehmen, die unschwer als „DSDS“-Kopie zu erkennen ist.
In der sechsten Folge kommt die Handlungswendung und Ernst lernt laufen. Die Protagonisten geraten in einen Schlamassel, der so erheblich ist, dass wir vom Endgerät nicht mehr wegkonnten, bis er aufgelöst wurde.
Durch das Konzept, im Rahmen einer Rückkehr Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu verknüpfen, entsteht ein Bruch mit der erzählerischen Konvention, der den Haupthandlungsstrang aufwertet. Die innere Spannung verdankt die Erzählung zwei Motiven, die sich durch zwei Zeit-Ebenen ziehen. In der Gegenwart sucht der Protagonist seine Kumpane von einst auf, in der Vergangenheit sorgt jugendlicher Leichtsinn dafür, dass möglichst rasch an möglichst viel Geld gekommen werden muss, und haben zur Folge, dass die Lebenswege zum Teil radikal die Richtung ändern und die Freundschaft auf der Strecke bleibt.
Und dann spielt auch noch der fabelhafte Max Mauf mit und Anke Engelke hat eine Nebenrolle, in der sie „Sexy“ von Marius Müller Westerwelle interpretiert. Chabos: Unbedingte Guckempfehlung.
