Tobi Morare – Scientist – Separated Beats 2026

Von Matthias Bosenick (26.06.2026)

Laut Info ist „Scientist“ die bereits elfte EP, die Tobi Morare auf dem Label Separated Beats veröffentlicht. Dieses Mal greift der Berliner nach Drum And Bass, Disco und Jazz, um fünf neue Electro-Tracks zwischen Dancefloor und Strand zu kreieren. Man hört, dass es ihm riesigen Spaß macht, die Schubladen zu plündern und seine Fundstücke zu eigenen Kreationen zusammenzufügen. Und dieser Spaß steckt jedes Mal an.

Mit dem Titelstück „Scientist“, das genau so heißt wie die EP, legt Morare einen Ziegelstein aufs Gaspedal: Sein Drum And Bass ist schnell und rupft vehement an den Tanzbeinen. Er bestückt das Stück mit Dschungel-Samples wie bei „Papua New Guinea“ von Future Sound Of London, mit einem dramatischen Bass-Synthie, einer empowernden Melodie und Sprachsamples. Drum And Bass zum Zweiten, aber im Tempo gedrosselt: „Gunshot“ hat Dub-Effekte im Bass und in den Vocals und leitet über zum dritten D’n’B-Stück „The Heat“, das mit Trompete und Chill-Out-Sounds balearische Gefühle mit treibenden Beats kombiniert.

Wieder weg vom Strand und erstmals weg vom D’n’B begibt sich Morare mit „Ventura“, hin nämlich zur Uptempo-Disco, mit knapp repetitiven Siebziger-Disco-Samples, die sich nahe an Daft Punk oder Stardust bewegen. Nach einem „Endless Summer“ klingt der Rauswerfer, der mit einem jazzigen Schlagzeug und cineastischen Samples zum Chillen einlädt, leicht psychedelisch wie Amorphous Androgynous.

Bevor Morare nach Berlin übersiedelte, spielte er in Bielefeld Schlagzeug bei Revolt. Teil von Verbindungen war er häufiger, etwa dem Duo Trieber oder anderen Featuring-Zusammensetzungen. Ganze Alben veröffentlichte er unter seinem Namen erst zwei, nämlich „Don’t Work“ 2015 und „Soul Kitchen“ 2022, aber dafür eben stapelweise EPs wie die vorliegende. Genug bekommen kann man ohnehin nicht von seiner Musik.