Von Onkel Rosebud
Meine Freundin ist der Meinung, dass Oasis nur einmal richtig lagen, im Jahr 2009 mit ihrer Auflösung. Ihre Rückkehr 2025 erfreue nur eine einzige Zielgruppe der Musikindustrie, die Menschen, die das Interesse an Musik verloren haben, um deren Nostalgie kommerziell auszuschlachten.
Im Bereich Popmusik gibt es im Wesentlichen zwei Szenarien, die als „Nachrichtenlagen“ gelten. Szenario Eins: Jemand stirbt. Szenario Zwei: Jemand gibt ein Comeback. Während den einen die Wiedergeburt (Johnny Cash oder Red Hot Chili Peppers) gelang, ging es bei anderen schief. Erinnert sich noch jemand an Guns n’ Roses‘ Album „Chinese Democracy“ (Geffen Records, 2008)? Sowas wie der längste Witz der Rockgeschichte. Nachdem sich Axl Rose mit allen Bandmitgliedern zerstritten hatte, brauchte er 15 Jahre und 13 Millionen Dollar, um laut Rock-Hard-Magazin einen „riesengroßen Haufen Scheiße, für den sich kaum jemand interessieren, geschweige denn begeistern würde, wenn (…) nicht dieser Bandname draufstehen würde“.
Oder The Doors. Die trennten sich ursprünglich in den 70er Jahren nach dem Tod ihres Leadsängers Jim Morrison, feierten jedoch 2002 ein Comeback mit Ian Astbury (The Cult), der versuchte, dessen ikonische Rolle zu übernehmen. Zu den Problemen gehörten interne Streitigkeiten, die Abwesenheit von Schlagzeuger John Densmore, der behauptete, er sei nicht eingeladen worden, schlechte Auftritte und verschiedene Rechtsstreitigkeiten um den Namen, wodurch die Gruppe von „The Doors Of The 21st Century” über „D21C” und „Riders On The Storm” zu „Manzarek-Krieger” wechselte.
Den Vogel abgeschossen hat in dieser Rubrik aber Led Zeppelin. Die drei sehr begabten Musiker hätten, nachdem der Hochbegabte am Schlagwerk 1980 an seiner eigenen Kotze erstickte, besser für immer schweigen sollen, um die Legende zu erhalten. Nach der missratenen, weil vorher nicht ausreichend geprobten 1985er Live-Aid-Performance versuchten sie 1988 ein weiteres Reunion-Konzert, das ebenfalls nicht gut verlief, und im Laufe der Jahre kam es zu einigen Streitigkeiten – einmal wurde John Paul Jones nicht über eine Reunion im Jahr 1994 informiert, ein anderes Mal behauptete Robert Plant, die übrigen Bandmitglieder seien nicht bereit, mit ihm auf ein neues Projekt zu warten. 2007 feierte die Band dann ein harmonischeres Wiedersehen mit John Bonhams Sohn Jason Bonham am Schlagzeug beim Ahmet Ertegun Tribute Concert. Der einmalige Auftritt stellte den Weltrekord für die „höchste Nachfrage nach Tickets für ein Musikkonzert” auf.
Ob persönliche Differenzen, ausbleibender Erfolg oder gar der Tod eines Bandmitglieds: Nach mehreren Jahren Trennung scheinen diese Hürden für viele Gruppen plötzlich wieder überwindbar. Oft ist es aber weniger das Schicksal, das Bands wieder zusammenführt, sondern vielmehr die Aussicht auf lukrative Einnahmen. Die übliche Ausrede für eine Reunion lautet dann, dass einer von ihnen mittellos ist und die anderen ihm helfen wollen. Wenigstens gaben die Sex Pistols, Punker der ersten Stunde, freimütig zu, als sie 1996 ihre Reunion-Tour „Filthy Lucre“ (schnöder Mammon) nannten. Bei ihrer Pressekonferenz sagte damals Sänger Johnny Rotten: „Wir hassen uns immer noch wie die Pest, haben aber eine gemeinsame Sache gefunden: euer Geld.“
Manche Comebacks finden sogar erst nach dem Tod statt. Der englische Singer-Songwriter Nick Drake schaffte es 2004 erstmals in die Charts – 30 Jahre nach einer tödlichen Antidepressiva-Überdosis. Eine nahezu biblische Wiederauferstehung gelang Tupac Shakur. Nachdem der Rapper 1996 erschossen worden war, erschienen noch sechs Alben von ihm. Im Jahr 2012 stand er sogar beim Coachella-Festival noch einmal auf der Bühne – als Hologramm.
Zurück zu Oasis: Meine Freundin steht ziemlich alleine da, die Reunion der Gallagher-Brüder nicht gut zu finden. Nun standen die zwar nie für musikalische Weiterentwicklung, aber alte Songs und alte Formeln sind einfach nicht kreativ. Zumal die beiden ja auf erfolgreiche Solo-Karrieren verweisen können. Geht man zurück in die toxische Beziehung, riecht das stark nach Geld-Motivation. Besonders, weil beide Brüder jahrelang betont hatten, Oasis sei endgültig vorbei.
Onkel Rosebud
