Mauna Sol – The Calling – Loud Rage Music 2026

Von Matthias Bosenick (21.05.2026)

Was für eine Schatzkiste! Mauna Sol debütieren mit „The Calling“ nicht einfach als nächste Black-Metal-Band, nicht einmal einfach nur in der Sub-Schublade Post Black Metal: Dieses Album macht Spaß, weil es so großartig ist, ein so todesbejahendes Genre derartig voller Lebensfreude zu spielen, das ringt mehr als Respekt ab und steckt an. Mit diesem Einstand setzen die Rumänen einen Pflock, aus dem uns sicherlich noch ein gewaltiger Baum wachsen wird.

Legt man das Album auf, schlägt einem „A New Life“ direkt in die Fresse, das ist purer Black Metal, mit Blastbeats, flirrenden Gitarrenflächen, keifendem Kreischen – man duckt sich instinktiv und hält doch staunend seine Ohren zwischen die Lautsprecher. So weit, so klassisch. Doch während man den Schwall des extremen Metals begierig aufsaugt, ändert der seine Textur und wandelt sich zu Thrash und Death, lässt Riffs und Kopfnicker-Grooves zu, der eingepflegte Walzertakt ist immanent. Okay: Hier passiert schon jetzt im Verlaufe eines Tracks eine Menge mehr, als man im Black Metal oder im Post Black Metal erwartet hätte. Mauna Sol können was, und sie setzen alles davon gekonnt ein.

Der Post Black Metal hier beschränkt sich nämlich nicht auf die typischen epischen Soundscapes, das Songwriting ist wunderbar, hier passieren stets unerwartete Dinge. Mitten in „Temptation“ etwa klimpert eine klare Country-Gitarre zum Dreivierteltakt. Die Gitarre irgendwo in „Flirting With The Abyss“ klingt nach Mandoline zu fröhlichem Uptempo-Schlagzeug, irre. Man hört Power-Metal-Soli, Griffbrett-Wanderungen, in „Mirage“ beinahe Crust-Mörtel auf der Gitarre, oder auch filigran-kontemplatives Geklimper inmitten des Lärms, was strukturell und auch dem Namen nach gelegentlich an die Black-Metal-Erneuerer Solbrud denken lässt. In „Elegy For The Past“ klingen gar Elemente wie aus der einfach nur harten Rockmusik an, beinahe Classic Rock. Und in „Death Poem“ findet ein abrupter Wechsel in den Power Metal und wieder heraus statt.

Das ist nicht der kalte Black Metal, das hier ist warm. Das Schlagzeug etwa drischt nicht einfach, es beinhaltet auch mal ein ästhetisches Klimpern auf den Hihats und hat überhaupt einen schön dichten Sound. Wie alle Instrumente, die verspielte Gitarre, die unberechenbarerweise auch mal groovy und catchy sein kann. Was dazu führt, dass die Musik hier gar nicht so düster ist, obschon hier nicht zwingend die Sonne scheint, irgendwie macht sie mächtig gute Laune. Über allem diese entrückte, kreischende, verletzliche Stimme, die die positive Ausstrahlung der Musik paradoxerweise nur unterstreicht.

Bereits seit 2019 existiert diese Band, gegründet in Brașov, Rumänien. Mauna Sol bestehen aus Sänger George Costan, den Gitarristen Marius Licu und Bogdan Itu, Bassist Ionuț Cățeanu und Schlagzeuger Andrei Rențea. Sich sieben Jahre Zeit lassen, um ein Album zusammenzustellen, scheint eine gute Maßnahme gewesen zu sein, denn so komplex und verspielt ist man wohl nicht einfach aus der Hüfte. Wenn der potentielle Nachfolger wieder diese Qualität hat, ist es eine ähnlich lange Wartezeit mehr als wert.