Von Matthias Bosenick (12.05.2026)
Aktuell ist niemand sonst da, der die Lücke auch nur ansatzweise schließen kann, die der Tod von Kevin „Geordie“ Walker vor drei Jahren ins Bandgefüge der englischen Indie-Helden Killing Joke riss, als die Band Light Of Eternity, bei der mit Schlagzeuger „Big“ Paul Ferguson einer seiner einstigen Mitstreiter mitspielt. „100 Club Live“ klingt in weiten Strecken nach Killing Joke – bis auf den Gesang. Wehmut kommt auf, insbesondere, weil die Gitarre einen beinahe unheimlichen Nachhall von Geordie mit sich trägt. LOE tragen Post Punk in die Moderne, ganz wie ihre Vorbilder.
Es ist wahrhaftig unheimlich, wie Gitarrist Paul „Pauly“ Williams hier mit seiner Gitarre die Töne von Geordie trifft, und zwar quer über die sehr vielseitige Discographie von Killing Joke hinweg, von scharf sägend bis rifflastig schwer. Nicht hingegen trifft der US-Amerikaner Fredric Schreck als Sänger den Ton von Jaz Coleman, was okay ist, weil eine eigene Note ja guttut, nur – sein klarer Gesang mag nicht so richtig zur Musik von Light Of Eternity passen. Er hebt die Dunkelheit, die Schwermut, das Gefühl, unbedingt rebellieren zu müssen, egal, wie alt man ist, in eine unpassende Höhe und hebt diese musikalischen Emotionen zu einem Teil beinahe auf. Schrecks Bassspiel hingegen ist ohne Fehl.
Einmal mehr ist es bestaunenswert, wie dicht der Sound von lediglich drei Musikern sein kann, ganz gleich, ob es sich um gebremste oder beschleunigte Stücke handelt. Da ist offenkundig auch ein fettes Pfund Keyboard mit drin, gespielt von Williams, aber dennoch, die Wucht, die Dichte, die Härte – auch ohne Metal – und die Schwere sind immens. Gerade deshalb erscheint der Gesang noch umso unpassender, sobald er die unteren Frequenzlagen verlässt und schlimmstenfalls noch herumeiert. Die Stimme ist einfach zu klar, hier gehören Zigarren und Whisky verabreicht.
Nun ist die Nähe zu Killing Joke ja quasi immanent, und da fällt es LOE natürlich schwer, eine eigene Handschrift zu etablieren. Was gelingt, ist, dass einem die Songs im Kopf hängen bleiben, obschon sie sich nicht zwanghaft an klassische Strukturen halten, auch da sind sie ihren Vorbildern nicht unähnlich. Die Gesangsmelodie der Strophe von „Explode“ erinnert außerdem an „Potato Junkie“ von Therapy?, und damit sind LOE ja ebenfalls in guter Gesellschaft.
Bisher gibt es als Studio-Aufnahmen von LOE lediglich drei EPs, nur zwei davon fanden als Compilation „Collateral EP“ gebündelt den Weg ins Presswerk. Die dritte „Distraction EP“ findet sich immerhin vollständig auf dieser Live-CD wieder, zudem koppelte die Band die Live-Version des DAF-rhythmischen EP-Tracks „Fascist X“ als 7“ aus. Mitgeschnitten wurde diese CD am 8. August 2025 im 100 Club in London.
Das Trio fand sich bereits zu Lebzeiten von Geordie zusammen und verlagerte nach dessen Tod seinen Schwerpunkt darauf, eine echte Band zu sein. Williams trat von seiner Band Chaos 8 hinzu, Schreck spielte mit Ferguson bereits Anfang der Neunziger auf dem einzigen Album von The Anients sowie kurz darauf bei Crush zusammen und hat außerdem noch Bands wie Billygoats oder Satellite Paradiso in seinem Lebenslauf stehen.
