Repetita Iuvant – 3+2 – Argonauta Records 2026

Von Matthias Bosenick (04.05.2026)

Wer Stress sucht, ist hier falsch, auch wenn das Instrumental-Trio Repetita Iuvant aus La Spezia im südlichen Ende Liguriens durchaus in der Lage ist, Lärm zu veranstalten. Komplett langsam ist das zweite Album „3+2“ und liegt musikalisch zwischen Bohren & der Club Of Gore, Psychedelik und My Bloody Valentine. Könnte man glatt als Post Rock auffassen, wenn es nicht wesentlich besser wäre als jener. Als Konzept für die Musik gilt: Wiederholung tot Not!

Das Tempo des Openers „Calocybe“ bewegt sich ungefähr bei einem durchschnittlichen Stück von Bohren & der Club Of Gore, man kann also ganze Bibliotheken lesen zwischen zwei Takten. Die Repetita Iuvant dazu noch nicht mal schlagen, die ersten sechs Minuten des Albums vergehen beatlos; die Mittel, mit denen diese minimale Musik entstanden ist, bleiben so vage wie jene selbst. Was für eine Entschleunigung also, mit der die Ligurer die Hörerschaft hier in Empfang nehmen.

Dem Trio gelingt es, seine unterschiedlichen Ausprägungen sinnhaft in miteinander Verbindung zu setzen, denn das folgende „Inid“ beginnt vergleichbar gebremst, bekommt aber ein verschlepptes Schlagzeug dazu. Mitten in diesem Siebenminüter beginnt die Gitarre plötzlich, so zu klingen, als wäre sie von Tool. Nur vorübergehend, denn dann gewinnt der Noiserock die Oberhand, und man wundert sich, dass man diesen Wandel nach dem kontemplativen Auftakt so selbstverständlich für konsequent und passend hält.

So richtig Psychedelik bekommt dann im achtminütigen „Majorana“, mit ruhigen Drones im Hintergrund und ganz dezent gegniedelt. „Harenaria“ übernimmt das Behutsame ebenso wie die Andeutung von Tool, groovt sich so richtig darin ein und verstärkt sich nach beinahe zehn Minuten in einen Noise. Zuletzt bringen Repetita Iuvant all ihre Elemente neu in Reihe: Die Drone-Gitarre im dreizehnminütigen „Cavanei“ hat eine Schrägneigung und klingt dabei so reduziert, als hätte man My Bloody Valentine die Effektgeräte weggenommen und nur noch den homöopathischen Hauch übriggelassen. Darüber liegen rudimentäre Melodien, die sich wiederholen. Alles häuft sich an und entlädt sich in einem Noise, der den stillen Anfang erstaunlicherweise nicht negiert.

„3+2“ ist das zweite Album des 2020 gegründeten Trios, nach „7“ vor vier Jahren. Dazu gab es drei EPs, gleich im Gründungsjahr „3“, kurz darauf „3+1“ und vor zwei Jahren „√2“. Die instrumentalen Tracks tragen durchgehend Einworttitel, indes ohne Zahlen. Die Band besteht aus Schlagzeuger Andrea Testa, Gitarrist und Keyboarder Cristoforo Da Costa sowie Gitarrist und Keyboarder Daniele Isetta, kommt also ohne Bassisten aus. Typisch melancholische Musik aus einer sonnigen Gegend.