Von Matthias Bosenick (23.04.2026)
Für jemanden, der so viel Geheimnis um seine Identität macht wie „B Wells“ aus dem San Gabriel Valley, streute er reichlich Aliasse in die Welt. Body Habitat ist eines von … gefühlt mehreren Dutzend, und selbst von nur diesem Projekt sind die Veröffentlichungen kaum vollständig bündelbar. „Cachoeira“ ist die jüngste, eher ein Mini-Album und angefüllt mit einer Art Electro-Tribal-Ambient, eine Einladung, dazu entspannt zu tanzen; ein Bisschen so, als würden Dead Can Dance versuchen, sich im Industrial auszuprobieren.
Sechs Tracks in knapp über 20 Minuten bietet „Cachoeira“, „Wasserfall“. Nein, Kaskaden würde man hier nicht ausmachen, obschon der Gedanke naheliegt – vielmehr fließen die Tracks relativ gleichmäßig, indem sie bestimmte Elemente meditativ wiederholen. Ein Rhythmus und etwas Atmosphärisches liegen unter allen Tracks; ersterer erinnert durchaus an die Tribals, auf denen Dead Can Dance ehedem ihre Trancestücke errichteten, nur dass die Musik dazu hier nicht so voll ist und kein Gesang inkludiert ist. Ein stoischer Takt, eine sich wiederholende Percussionfigur plus sich mit längerer Frequenz wiederholende Fills, so generiert B Wells hier Groove.
So etwas wie Soundscapes, beinahe Drones, nur ohne Noise, füllen die Hintergründe der Tracks. Als Ergänzung zur Percussion baut B Wells in ebenso minderer Wiederholfrequenz Samples ein, die ihrerseits das Rhythmische und somit das Hypnotische befördern. Mit allldem übertreibt es B Wells nicht, die Tracks sind nicht angefüllt, sie erscheinen teilweise sogar eher reduziert. Außerdem lässt sich eine konkrete Stimmung gar nicht so einfach ausmachen, die Stücke sind primär chillig tanzbar, aber weder fröhlich noch deprimierend; sie geschehen einfach und erfreuen damit, generieren gar gute Laune, vermutlich einfach, weil sie so unaufdringlich sind.
„Cachoeira“ folgt direkt auf das im Februar erschienene „Locked In At Hells Gate Dystopia“ sowie auf „Dhee“, das B Wells als Body Habitat im Januar auf Darq Tapes herausbrachte; ältere Alben hießen „Grid Failure“, „Cala Lilly“ oder „Sounds Of A Personal Dystopia“. Dazu gab’s im März „Saahat“ unter dem Alias Concrete Colored Paint. B Wells‘ Haupt-Alias indes lautet kurioserweise German Army, ein weiteres 0824. Außerdem: Body Image CEO, Body Image Corporation, Body Improvement Calendar, Burnt Probe, DJ Staring Problem, Final Cop, Four Seasons Total Landscaping, Germ Class, Kris And Tavi, Merx, Paul Kneejie, Peter Kris, QQ, Ralf K. German, Submission, SXBRS, WSBB. Wer aber genau hinter B Wells steckt, bleibt unklar. Das muss man mal schaffen.
