Hin- und weggesehen. Filme und Serien (17)

Von Chrisz Meier (11.03.2026)

Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.

Meine Beobachtungsergebnisse möchte ich gerne weitergeben, sei es als Empfehlung, sei es als Warnung, denn Lebenszeit ist kostbar. Und Mannometer, es gibt so viele mittelmäßige Filme heutzutage!

Wie zum Beispiel „Little Bone Lodge“ von 2023. Hier ist es mal eine Mutter

(J. Richardson), die meint, in einer abgelegenen Hütte ihre Familie bzw. ihre Tochter mit allen Mitteln schützen zu müssen. Als in einer stürmischen Nacht zwei kriminelle Brüder Zuflucht in dieser Hütte suchen, fängt die Story langsam an, zu eskalieren. Nein, das ist jetzt nicht wirklich schlecht, aber unbedingt dabei zuschauen, wie eine Psychopathin schlimme Dinge tut… Ähh, doch, das kann man mal machen. Ist aber trotzdem nur Mittelmaß.

Etwas mehr enttäuscht war ich von „Der Phönizische Meisterstreich“, dem aktuellen Film von W. Anderson. Mittlerweile kann man fast sagen, daß, wer einen oder zwei Anderson-Filme gesehen hat, alle Anderson-Filme gesehen hat. Schrullige Figuren in symmetrischen Kulissen sagen mit unbewegten Minen ihre skurrilen Dialoge auf. Danach kommt die nächste vermeintlich absurde Szene, in der das Gleiche passiert, danach die nächste usw. usf. Neulingen und Einsteigern kann ich also nur empfehlen, sich irgendeinen Anderson-Film auszusuchen, die sind alle irgendwie gleich gut oder schlecht, je nachdem.

Mickey 17“ wurde von nicht wenigen Kritiken vorgeworfen, zu viel zu wollen und sich dabei zu verzetteln. Dem kann ich nicht zustimmen. Die Story um Mickey, der aus wirtschaftlicher Not auf einem Kolonisierungsraumschiff anheuert und dort als entbehrliches Versuchskaninchen fungiert, das nach jedem tödlichem Einsatz neu ausgedruckt wird, hat Witz, Spannung, Sozialkritik, Action, Romantik – und das alles in einer wohlausgewogenen Mischung. Der Cast ist gut gewählt, von R. Pattinson über T. Collette bis hin zu M. Ruffalo. Letzterer ein komplett vollidiotischer Anführer, wie es im Jahr 2054, in dem „Mickey 17“ spielt, wohl nur noch und ausschließlich geben wird. Empfehlung!

Nicht empfehlen kann ich hingegen „Einladung zum Mord“ (2023). Dies ist der gänzlich gescheiterte Versuch, einen Agatha-Christie-Film zu drehen, jedoch ohne eine Agatha-Christie-Story zu haben. Will sagen, dieser Whodunit ist eine blasse, blutleere und magere Kopie eines echten Krimis, in dem fünf Fremde auf eine abgelegene Insel eingeladen werden, ein Mord geschieht und schließlich die Detektivin den Täter im Speisezimmer/der Bibliothek überführt. Spannungsarm, actionfrei, langweilig.

Aus der Rubrik „wieder gesehen – gern gesehen“ stammt diesmal „Smile 2“. Den hatte ich an dieser Stelle schon einmal gelobt (im August ´25 erst!) und tue es hier nochmal. Er ist unheimlich, spannend, gut gespielt, auch blutig und nicht sonderlich vorhersehbar. Und vor allem ist er meiner Meinung nach sogar etwas besser als der erste Teil. Wenn hieraus ein Franchise entstehen sollte, lasse ich mir gerne auch noch den dritten und vierten Teil gefallen.

Ich bin ganz sicher kein Fan von T. Cruise, dem Sekten-Gehirnwäscher. Aber ich sehe T. Cruise gerne als Ethan Hunt in der „Mission: Impossible“-Reihe. Diese wurde, für meinen Geschmack, mit fortlaufender Laufzeit immer besser. Jetzt also „M:I Dead Reckoning“, konzipiert als Zweiteiler. Und ich kann gar nicht viel dazu sagen, vor allem nichts Schlechtes. Was sich die Macher hier an Actionsequenzen haben einfallen lassen, sprengt alles Vorangegangene. Mit der Reihe wurde über die Jahre die Meßlatte für überwiegend wie ausschließlich handgemachte Spezialeffekte und Stunts immer höher gelegt. Wohl auch deshalb – und weil Cruise mittlerweile über 60 ist – endet die Reihe nun, denn noch mehr Steigerungen sind kaum möglich. Da müssen andere Filme erstmal herankommen. Zur Handlung nur dieses: Die Bedrohung, das Böse, der Schurke, das Ende der Welt ist diesmal von unser aller Realität nur einen Wimpernschlag entfernt – und morgen wahrscheinlich allseits anerkannt und wohlgelitten.

Science-fiction gehört ja nunmal zu meinen Lieblingsgenres. Aber was mir mit „The Last Journey“ (F 2020) geboten wurde, war unter aller Sau. Zwar habe ich den Film Anfang Februar gesehen, mußte jetzt aber schon bei Wikipedia nachschauen, worum es überhaupt ging. Ach ja, der „rote Mond“, beliebte Energiequelle der Menschheit, deren eigener Planet ausgeplündert ist, ist auf Kollisionskurs mit der Erde, und der einzige, der ihn daran hindern kann, ist verschwunden. Sein Bruder, sein Vater und ein fremdes Mädchen spielen auch noch verworrene Rollen. Ach, es lohnt gar nicht, weiter darüber zu schreiben; alle sollten diesen Zeitklau meiden, fertig.

Auch nur für beinharte Fans von Stephen-King-Verfilmungen aus den 90ern sei „Der Sturm des Jahrhunderts“ empfohlen. Während eines starken Schneesturms in einer kleinen US-Küstenstadt kommt ein Fremder in town und terrorisiert Menschen, um seine eigenen mysteriösen Wünsche und Ziele durchzusetzen. Das ist bestimmt noch nicht mal ein guter Roman des Meisters (von dem ich viel, aber nicht dieses gelesen habe) und dementsprechend ist auch die Verfilmung als dreiteilige Miniserie kein Meilenstein der Filmgeschichte. So wie die Handlung lässt auch die Optik zu wünschen übrig. Entweder war das Budget zu klein oder Computereffekte waren Ende der 90er noch nicht so weit, als daß es zu anständigen special effects gereicht hätte.

Special effects waren für „The Immaculate Room“ (2022) kaum nötig, denn der Film spielt in einem weißen Raum mit ein paar spärlichen, weißen Einrichtungsgegenständen. In diesem Setting soll es ein junges Paar (m/w) 50 Tage lang aushalten und schon haben sie fünf Millionen Dollar gewonnen. (Da ist sie wieder, die gute alte Wettbewerbsideologie der Yanks.) Was ein spannender Psychothriller hätte werden können, verpufft nach relativ kurzer Zeit, übrig bleibt der gescheiterte Versuch eines raffinierten Kammerspiels. Die Konflikte, die zwischen den beiden zwangsläufig entstehen müssen in einer völlig reizlosen Umgebung ohne jegliche Ablenkung, werden zwar angesprochen – dann aber nicht ausgespielt. Die Tage vergehen plötzlich wie im Flug, dann kommt es nochmal zu einem finalen Showdown und Ende. Unbefriedigend.

Mit drei Flops in Folge ende ich für heute, nächstes Mal geht es u.a. um eine Stadt in Holland und um zwei, die voneinander nicht lassen können. Und jetzt raus aus dem Internet! Lügen, Hass und Katzenvideos!