Trondheim & Tarrin – Spirou und Fantasio Spezial: Der Schatz von San Inferno – Carlsen 2026

Von Matthias Bosenick (29.01.2026)

Das ist mal wieder ein One-Off, das die Hauptserie überflüssig macht: „Der Schatz von San Inferno“ aus der Spezial-Reihe von Spirou und Fantasio, erdacht und gezeichnet von Lewis Trondheim und Fabrice Tarrin, bringt ein Abenteuer im Sinne des Spirous, den André Franquin vor 60 Jahren etablierte. Hier stimmen Zeichnungen, Humor, Story. Ein erfrischend modernes Retro-Abenteuer.

Einmal mehr ist Reporter Fantasio einer Sensation auf der Spur, der er unbedingt schneller nachkommen will als seine Dauer-Konkurrentin Steffani. Mit Spirou und dem Marsupilami macht er sich auf in die mittelamerikanische Wüste, nach San Inferno, wo ihm Steffani natürlich über den Weg läuft. Seine Kontaktperson Sofia zeigt ihm in einer Grabanlage ein kurioses Skelett – der Schädelform nach das eines Aliens. Noch bevor Fantasio daraus journalistisches Kapital schlagen kann, zerstört es ein ominöser Gegenspieler. Aber das Wüstendorf hat noch mehr zu bieten – möglicherweise die Ruinen von El Dorado.

Ihre Dynamik zieht diese Geschichte aus den Details. Zunächst überraschen die treffsicheren schlagfertigen Dialoge, die man beinahe als bösartig auffassen kann, insbesondere, sobald Steffani und Fantasio einander bekabbeln. So lustig waren Spirou und Fantasio lang nicht mehr. Den an sich nicht neuen Echo-Effekt der plappernden Vögel nutzt das Autorenteam mehrmals für treffende Gags, und auch hier staunt man über Einfallsreichtum und Unberechenbarkeit. Ebenso bei den Wendungen, die die Geschichte nimmt, zumeist davon ausgelöst, dass das Autorenduo seine Figuren in einer ambivalenten Gut-Böse-Ausrichtung auftreten lässt – man darf sich auch als Lesender nicht darauf verlassen, dass die Erscheinungsweise der Figuren nicht von unerwarteten Motivationen getrieben ist. Das verleiht dieser flotten Geschichte eine zusätzliche Tiefe.

Ergänzt dadurch, dass der Klare-Linie-Stil von Franquin hier das Bild bestimmt, fühlt man sich in die wichtigste Epoche der Spirou-Zeit zurückversetzt, als André Franquin das Ruder übernahm. Dem gegenüber ist der Humor deutlich moderner und verleiht den Retrofaktor somit erweiterte Horizonte. So dürfte sich die Hauptserie gern präsentieren – unverkrampft, einfallsreich, witzig. Ist sie aber nicht.

Als nächstes folgen der dritte teil der „Superpage“-Subserie und der siebte Teil der Sub-Subserie „Spirou präsentiert“, parallel erschien der zweite Teil der „Die Freunde von Spirou“-Neben-Subserie – 2026 geht wieder mit einer Spirou-Flut ins Rennen, nachdem 2025 die Flut der Vorjahre so unerwartet und jäh unterbrach. Gut fürs Konto und weniger Enttäuschung, könnte man meinen, doch 2025 erschien der bisher letzte Band der Hauptreihe, und der war eine Enttäuschung. „Der Schatz von San Inferno“ versöhnt nun umwerfend.