Hin- und weggesehen. Filme und Serien

Von Chrisz Meier (26.01.2026)

Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.

Meine Beobachtungsergebnisse möchte ich gerne weitergeben, sei es als Empfehlung, sei es als Warnung, denn Lebenszeit ist kostbar. Hier also die ersten Beobachtungsergebnisse des Jahres. Und für diese spule ich zurück in den vergangenen September, denn da war ich stehengeblieben.

Starten möchte ich mit einem Film, den wohl fast niemand positiv besprochen und der mittelmäßige bis unterdurchschnittliche Bewertungen erhalten hat. Und ich verstehe nicht, warum. Weiß denn niemand mehr eine surreale Komödie zu schätzen? Genau das nämlich ist „Tanz der Titanen“ von 2024. Die Chefs und Chefinnen der G7-Staaten treffen sich in Sachsen-Anhalt, um eine (oder alle) Krisen zu besprechen und um ein wichtiges Statement auszuarbeiten. Was aber kommt dabei heraus? Was wohl? Worthülsen, leeres Gerede und Sätze aus der Phrasendreschmaschine, wie im echten Leben. Hier kommen jetzt aber noch psychische Probleme und amouröse Verwicklungen (!) der StaatenlenkerInnen hinzu, außerdem verlaufen sie sich alle im Wald und finden ein riesiges Gehirn. Ja, ich sagte doch, daß dies eine surreale Komödie ist! Bei mir hat sie jedenfalls funktioniert, nicht zuletzt wegen den darstellerischen Leistungen von u.a. C. Blanchett als deutsche Kanzlerin.

Viel weniger gelungen fand ich z.B. dagegen „The Surfer“ mit N. Cage. Ein Vater und sein Sohn wollen am alten Heimatstrand des Vaters surfen und werden von einer Clique Strandrowdies daran gehindert. Irgendwann haut der Sohn ab, zurück zur Mutter, und Cage ist auf sich allein gestellt. Er nimmt den Kampf auf, dehydriert dabei aber immer mehr und seine geistige Verwirrung nimmt dementsprechend zu, bis weder ihm noch dem Beobachter klar ist, was nun eigentlich los ist. Naja, sehr durchwachsen und eher in Richtung „Zeitverschwendung“ tendierend.

Besser dagegen: Das auf wahren Begebenheiten basierende Drama „Eden“. Eine handvoll Menschen, darunter etliche Deutsche, versuchen Anfang der 30er Jahre, auf einer der Galapagos-Inseln eine neue Existenz und ein Leben abseits der Zivilisation aufzubauen. Einmal darf geraten werden, ob das wohl gelingt. Natürlich nicht. Es kommt zu Spannungen. Neid, Eifersucht, Habgier, Mißgunst und Manipulationen spielen ihre unrühmlichen Parts und im weiteren Verlauf kommen noch mehr Menschen dazu, die der ohnehin fragilen Gemeinschaft den Rest geben, wobei dann einige auf der Strecke bleiben. Das ist gelungen dargestellt (J. Law, D. Brühl, V. Kirby, S. Sweeney), klug inszeniert (R. Howard) und trotz seiner 129 Minuten Laufzeit nie langweilig. Einmal mehr zeigt sich, daß die Menschen nicht funktionieren, auch nicht am Arsch der Welt.

Habe ich schonmal erwähnt, daß ich Bäume für die genialsten Lebewesen auf diesem Planeten halte? Von daher kam mir die Doku „Die Eiche – Mein Zuhause“ gerade recht. Hier dreht sich wirklich alles um einen einzigen Baum und seine vielen verschiedenen Bewohner, vom Keller bis ganz oben ins Penthouse. Und wer hier auch alles wohnt! Vom winzigen Käfer, der wie ein knuffiges Alien aussieht, über Specht und Eichelhäher, Ameisen, Mäuse bis hin zum Eichhörnchen. Jeder hat sein Tun, jeder hat seine Aufgabe, jeder macht Sinn. „Die Eiche“ ist brillant in Szene gesetzt und gefilmt, der technische Aufwand muß fast ebenso groß wie die Geduld der Filmemacher gewesen sein, die Monate mit, unter und in ihrem Hauptdarsteller verbracht und dabei spektakuläre Bilder eingefangen haben. Und dann haben sie dem Beobachter noch einen ganz großen Gefallen getan und auf jeglichen Kommentar verzichtet, dafür aber passende Musik ausgewählt. Ganz dringende Empfehlung!

Zu meiner Überraschung auch nicht schlecht war „Köln 75“, obwohl es sich um eine deutsche Produktion handelt. Erzählt wird die wahre Geschichte, wie die blutjunge Vera Brandes, vom Jazz fasziniert, sich kurzerhand zur Promoterin erklärt und 1975 ihren großen Coup landet: Sie holt den Pianisten Keith Jarret für ein Konzert ins Kölner Opernhaus. Dabei muß sie tausende von Widrigkeiten überwinden, wobei der kaputte Konzertflügel schon eine ganz ordentliche Hürde darstellt. Aber auch sonst sorgt so einiges dafür, daß Vera Brandes diese Zeit wohl nicht so schnell vergißt. Das ist flott erzählt, das Zeitkolorit stimmt, der Film ist nur an wenigen Stellen überdreht und alles in allem macht man nichts falsch, wenn man sich ihn anschaut.

Hat hier jemand „The Suicide Squad“ von 2021 gesehen? Meiner Meinung nach nicht der schlechteste der ganzen Superhelden-Franchises. Kennt denn dann auch jemand den Ableger „Peacemaker“? In dieser achteiligen Serie (Staffel 1, 2022) geht es dort weiter, wo „The Suicide Squad“ aufhört. (Weshalb man diesen vorher nochmal schauen sollte, um alles zu verstehen.) Hier dreht sich alles um den Superhelden Peacemaker, der für den Frieden auch Frauen und Kinder töten würde und der fast so amerikanisch ist wie „American Dad“. Die Titelrolle ist äußerst treffend besetzt mit dem Ex-Wrestler J. Cena. Er bekommt dann noch eine Hilfstruppe ohne Superkräfte zur Seite und zusammen müssen sie irgendwas lösen. Das ist ziemlich überdreht, ziemlich gewalttätig und ziemlich lustig.

Den folgenden Film sah ich irgendwie nur der Vollständigkeit halber, den schon den ersten Teil von „Dune“ fand ich von seiner Message her problematisch. „Dune 2“ macht so weiter: Da ist einer der Auserwählte, er soll unser Führer sein, oh wie toll er ist usw. usf. Die Optik von „Dune“ und seinen Fortsetzungen stimmt, keine Frage. Die Botschaft bleibt aber – zumindest nach diesem zweiten Teil – weiterhin fragwürdig. Da sich eine der Protagonistinnen gegen Ende des Film vom Hauptheld abwendet, steht zu erwarten, daß sich Widerstand regen wird. Mal abwarten.

Und dann war da noch dieser ominöse „Life Of Chuck“, der im Herbst ’25 einiges an Gerede im Netz verursachte. Und ja, ich habe mich gut unterhalten gefühlt von dieser Geschichte um Charles Krantz (wer?), für den plötzlich an jeder Ecke und in jedem denkbaren Medium Danksagungen auftauchen, die sich niemand erklären kann. Die Vorlage stammt von Vielschreiber S. King, der in den letzten Jahren gezeigt hat, daß er alle möglichen Genres bedienen kann. „Life Of Chuck“ ist einfach ein schöner Film über das Leben und seine Möglichkeiten. Unaufgeregt und wohltuend.

Ok, soviel für heute! In der nächsten Folge geht es u.a. um ganz schlecht gelaunte Rettungssanitäter. Und jetzt raus aus dem Internet!