Faz Waltz – Strike Ten – Head Perfume Records/Melody Bunker 2025

Von Matthias Bosenick (13.01.2026)

„Strike Ten“ ist tatsächlich bereits das zehnte Album der brennbaren Rock’n’Roll-Konservatoren Faz Waltz aus Cantù in Italien. Seit 2007 zieht das Trio, angeführt von Faz La Rocca, sein Konzept durch: pianogetriebener Rock’n‘Roll wie aus den Fünfzigern und Sechzigern, alle damaligen Spielarten abdeckend, bisweilen garagig übersteuert. Man wähnt sich auf Zeitreise: Der Geist von Tupelo weht über den Gewässern, der sämtlicher weiterer Rock’n’Roll-Erfinder hinterdrein.

Hier ist alles drin, was man von damals kennt, und sei es nur von den Schellack-Platten der Großeltern: hoch energetischer Boogie, Ballade, Schlager, sogar Country und Western. Mit der vollen Packung Boogie startet das Album, Man kennt „Your Lovin‘ Really Got Me Wild“ von der Vorab-7“. Deren B-Seite „If You Don’t Care About Me“ ist hier übrigens halb so lang, aber dafür doppelt so schnell, obschon immer noch nicht unter den schnellsten Songs des Albums.

Schnell kann das Trio – neben La Rocca noh Bassist Diego Angelini und Schlagzeuger Marco Galimberti –, schnell bedient es auch, dann gern übersteuert und gebrüllt, unter Volllast mithin. Dann kann auch mal ein Saxophon den Rock’n’Roll ergänzen, wie in „I’m Done“. Und weil Faz Waltz bekannt ist, dass zu viel Energie sich abnutzt, wissen sie die ihre zu dosieren und verteilen sie mit unterschiedlicher Intensität auf die elf Songs. Es sind also nicht alle übersteuert, das Trio kann auch Zurückhaltung, gleich an dritter Stelle mit der Pianoballade „Full Moon Serenade“ etwa, die La Rocca sogar croont und damit belegt, dass seine Stimme auch unterhalb des Brüllens überzeugend ausgeprägt ist. „Lonesome Me“ erweitert das Portfolio sogar um beides, Country und Western. Bis hin zum tränenziehenden Schlager decken Faz Waltz eben alles aus der Zeit ab.

Elvis ist sicherlich eine präsente Referenz, die hier wahrnehmbar ist. Dazu haufenweise alter Rock’n’Roll-Helden, zuvorderst – das Piano verrät’s – Jerry Lee Lewis, aber auch Paul Anka und sicherlich noch viele weitere, die man sechzig, siebzig Jahre später schon gar nicht mehr auf dem Schirm hat. Da liegt dann auch die einzige Schwierigkeit, die dieses zehnte Faz-Waltz-Album sowie das Konzept allgemein mit sich bringen: Obschon dies alles Eigenkompositionen sind, meint man, die Songs bereits gehört zu haben, entweder von ihnen selbst oder von ihren Vorbildern. Das Modernste an ihnen ist der gelegentliche Garage-Noise, den es in den Fünfzigern so noch nicht gab. Wie wär’s mit einem Remix-Album?