Scriptura – Deep Stoned – Chabane’s Records/Bitume Prods 2008/2025

Von Matthias Bosenick (28.07.2025)

Da buddelt das Label Bitume Prods einen sehr rauhen Brocken Schwermetalls aus: „Deep Stoned“ vom französischen Quartett Scriptura erschien bereits 2008, kommt jetzt aber mit einem Haufen Cover-Songs als Bonus neu heraus. Mehr gibt es von der Band aus Peyrelevade mitten im Nirgendwo gar nicht, das dürfte dann das Gesamtpaket sein. Dabei handelt es sich um eine doppelte Zeitreise: Zu einen sind die Aufnahmen alt, zum anderen beziehen die sich auf einen Thrash Metal, der zu der Zeit auch schon so seine 20, 30 Jahre auf dem Buckel hatte. In jeder Hinsicht nix Neues also, aber knackig gespielt.

Es rifft und rumpelt, da gibt es nichts. Die vier Jungs von Scriptura hörten ihre Plattensammlung aufmerksam durch, bevor sie sich daransetzten, das Gelernte selbst einmal auszuprobieren. Den in den Achtzigern erfundenen Thrash Metal hört man hier deutlich heraus, ebenso den, wie er sich in den Neunzigern mit Death Metal, Punk und Hardcore verfettete. Die Gitarre sägt, so sie nicht rifft, Bass und Schlagzeug treiben den Kopfnickern den Schweiß in den Nacken. Schnörkellos wäre ein treffendes Wort für diese rohen, rauhen Brocken, doch trifft dies gar nicht ausschließlich zu: In „Internal“ etwa experimentiert die Band mit einer filigranen Gitarrenmelodie herum, das Solo in „Deep Throat“ gerät beinahe warm. So gibt es in dieser Geschichtsstunde eine Menge zu entdecken.

Gerade eine halbe Stunde dauert das ursprüngliche Album, Bitume kramt aber noch diverse Beiträge heraus, die Scriptura bis 2013 für Tribute-Alben leisteten. Man hört die Entwicklung heraus, auch spielerisch, es wird noch knackiger – und die Stimme bekommt eine verträglichere Tiefe. Auf dem Haupt-Album grölt der Gesang in einer nicht veränderlichen Tonlage, was auf Dauer etwas ermüdend ist, weshalb die Darbietung auf den jüngeren Songs eine willkommene Abwechslung darstellt. „Against“ von Sepultura macht zunächst noch keinen Unterschied, doch bereits ab „Don‘t Set Me Free, I‘m So Afraid“ von Witness ändert sich etwas: Das Grölen wird zum Grollen. Für das beinahe fragil rockende „Set The World On Fire“ von E-Type verfällt der Gesang ins Klare; hier übernimmt nämlich die zweite Stimme. „Viens sur la Scène“ von Medef Inna Babylone kehrt zum Thrash-Grollen zurück, kombiniert mit dem Punk des Originals. Zum Abschluss gibt’s mit „Final Boss“ einen surfmunteren Track aus „Sonic The Hedgehog“.

2008 bestand Scriptura aus Dale Nixon mit Gesang und Gitarre, Chris Laroute mit Bass und zweitem Gesang, Dave Channing am Schlagzeug und David Belotte mit der zweiten Gitarre. Bei den Bonus-Stücken gibt’s einige Gäste und Veränderungen: Auf „Against“ spielt Sylvain Prioux von Nippercreep Gitarre, für die letzten vier Songs übernahmen José Vasseur die Gitarre und jemand namens Steve Urkel oder auch Erkel das Schlagzeug. Den finalen Song bassistierte zudem Kévin Orliange, unter anderem ebenfalls bei Nippercreep. Die Aufnahmen übernahm seinerzeit übrigens Labelinhaber Derrek, also Germain Orliange, der die Stücke nun auf seinem eigenen Nachfolgelabel neu herausbringt. „Deep Stoned“, mal so nebenbei, ist das Album nicht, da führt der Titel etwas in die Irre.