Von Onkel Rosebud
Meine Freundin hat irgendwo gelesen, dass es eine neue Musikrichtung gibt: Psychedelic Renaissance. Ob ich das schon wisse? Ich sei schließlich im Rahmen der Arbeitsteilung innerhalb unserer Beziehung für sowas zuständig. Ein gewisser Jon Hopkins würde sich da hervortun. DJ Jon Hopkins? Ohne eine öffentlich zugängliche Enzyklopädie bemühen zu müssen, glänzte ich, dass dieser Chicagoer House-Produzent die Verschnulzung von Coldplay beschleunigt hat. London, korrigierte mich meine Freundin, und ergänzte, dass besagter ehemaliger Spaßbeschaller das Standardwerk der Psychedelic Renaissance veröffentlicht hat, welches bezeichnenderweise „Music For Psychedelic Therapy“ (Domino Recording, 2021) heißt. Das wäre der Soundtrack zur Einnahme von bewusstseinsverändernden Substanzen wie LSD, Ketamin und allerlei anderen Mittelchen von Leuten, die sich das leisten können – für therapeutische Zwecke wohlgemerkt, nicht zum Spaß.
Ich war mir nicht sicher, was mir meine Freundin damit sagen wollte. Dass wir unser Erspartes in ein verlängertes Wochenende in der Eifel für eine „New-Healing-Experience“ eintauschen, um einem betreuten Magic-Mushroom-Trip beizuwohnen, konnte es eigentlich nicht sein. Deshalb hob ich auf die Musik ab, die einen dazu begleiten könnte. Namen wie Tangerine Dream, Jean-Michel Jarre, Pink Floyd und anderer Endlosnudler fielen. Aber meinem Einwand, von wegen „Psychedelic Renaissance“ – das wäre alles schon mal dagewesen, ließ meine Freundin nicht gelten. Der Kollege Hopkins verwendet keine Beats, keine Rhythmen. Nur noch Raum, Klang und Plätschern. Das sei weder Ambient noch New Age, sondern eben eine ganz neue psychedelische Musik.
Entschlossen entriss ich meinem Plattenregal Plastikman und „Consumed“ (Novamute Records, 1998). Richie Hawtin, bevor er Techno-Superstar wurde, entwickelte auf dem dritten Album seines Alter Egos einen düsteren, höhlenartigen Hall verpackt in Zirpen und Heulen. Er bereitete damit den Weg für das, was wir heute unter „Minimal“ kennen. Dieses grüblerische, endlose Nichts ist wie gemacht für eine bewusstseinserweiternde Erfahrung.
Meine Freundin nickte anerkennend und stimmte zu, Plastikman macht auch ohne Drogen furchtbar süchtig. Jon Hopkins hat 2024 nachgelegt. „Ritual“ ist schon das zweite seiner Alben, auf dem sich keine Beats mehr finden, sondern Klangwelten, in denen der von Drogen durcheinandergewirbelte Kopf einen Halt finden soll. Aber, was machen wir um Drogen? Genau, Herr Goldt. Einen Bogen. Und wie groß muss der Bogen sein? So groß wie der Pariser Triumphbogen.
Onkel Rosebud.