Waterboarding School – Steer Clear – Blackvalley Records 2026

Von Matthias Bosenick (24.03.2026)

So’n Bisschen gute Laune darf dieser trüben Tage auch mal wieder sein, und Waterboarding School aus Göteborg machen Gute-Laune-Musik, und zwar mit den Mitteln des fuzzy Garage Rock. „Steer Clear“ heißt die neue EP, und mal abgesehen davon, dass sie einen Bewegungszwang auslöst, versprüht sie eine charmante Heiterkeit. Mit zweistimmigem Gesang, Orgel und Twang obendrauf.

Diese Gute-Laune-Musik kommt erfreulicherweise ohne Kitsch aus, die fünf Musizierenden haben ein Händchen dafür, Funken zu sprühen und die Kirche dabei trotzdem im Dorf zu lassen, oder so. Den Link zu den Sechzigern greifen sie mit allen verfügbaren Händen und knoten eine ungebremste Zeitlosigkeit daran fest. „Functionality“ holt einen gleich mit dem zweistimmigen fröhlichen Gesang ab, noch bevor die surfbereiten Instrumente dazu einsetzen. Ein klarer Retrosong, der einen psychedelisch-spacigen Flanger und einen dezenten Fuzz erlaubt. Obschon die Sechziger hier die Grundlage bilden, tragen Details auch andere Handschriften: Die ungezwungene Übernahme des Sounds in den Indierock kennt man ähnlich von 22 Pistepirkko, den Gesang von Imperial Teen.

Für „Living A Lie“ ziehen Waterboarding School das Tempo an, schlagen den Beat auf der Eins und fügen die treibende Orgel hinzu. In diesen Song betten sie ein sehr kurzes fuzzy Ein-Ton-Stakkato-Riff; ein schönes Tüpfelchen. So ähnlich verfahren sie auch in „Nonsense“, da hat das Twang-Gitarren-Solo auf dem Surf-Rhythmus eine andere Seele als das spätere Rock-Solo. Jeder Punkt sitzt. Zuletzt bekommt „Complaints“ einen lebendigen repetitiven Orgellauf wie „Saturn 5“ von den Inspiral Carpets. Der Surf-Rhythmus ist hier etwas verlangsamt, die gute Laune ungebremst.

Mit dem Album „Back Rubs“ traten Waterboarding School 2019 auf den Plan, damals noch zu viert: Sänger und Gitarrist Filip Mjörnstedt, Gitarrist und Organist Johan Davegård, Schlagzeuger Teodor Norrestad und Bassist Viktor Hansson. Erst 2023 erschien mit „Bridge Reviews“ die nächste Veröffentlichung, das zweite Album, und erst mit der dritten Veröffentlichung, dem Song „You Got To Go“ im August 2024, trat Organistin und Sängerin Amanda Lodding hinzu. Die gemeinsamen Aktivitäten mündeten in dem Album „The Little Sports Mirror“. „Steer Clear“ ist die erste neue Veröffentlichung seitdem, abgesehen vom Vorboten „Living A Lie“.