Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Skurril, aber schön – Lieder, die auf einer Ostrock-Party nicht fehlen dürfen

Von Onkel Rosebud

Die 1,49 m große Sängerin Angelika Mann hat 1979 mit der Single „Kutte“ den Deutschrap erfunden. Das waren nicht die Vier Komischen Fünf vom Neckar. Geschrieben hat den Song – na klar – Reinhard Lakomy, der Protagonist der letzten Folge. Der Sozialismus-Versteher hat 1973 mit „Jede Blume blüht nur einmal auf“ hierzulande die deutsche Sprache als Poesie in die Rockmusik eingeführt. Vor uns Udo Lindenberg!

Apropos 1973. Der Song „Tentakel“ von Walter Kubiczeck Orchester ist die Original-Filmmusik der sechzehnteiligen Stasi-Fernsehserie „Das unsichtbare Visier“. Sie war die erste, die in der DDR auf einer Langspielplatte veröffentlicht wurde. Dass da Peter Thomas, dem wir unter anderem die Musik, die das Beste an der Serie „Raumpatrouille Orion“ ist, verdanken, mehr als nur Pate stand, ändert nichts an dem fantastischen Song und wird nur noch übertroffen von Theo Schumann‘s Combo „Säbeltanz“ (1969) und dem „Karthäuser Knickebein Shake“ (1963). Lutz Jahoda, der Peter Alexander der DDR, ist dann auch verantwortlich, wenn die Beine nach zu viel Eierlikör wegknicken, nachdem das Lied benannt ist.

Aus den Pantinen kippen lassen auch heute noch das Peter Holten-Septett und „Weiter, weiter“ (1975). 7 Jahre später ist das der ultimative Teil 2 von Iron Butterflys „In-A-Gadda-Da-Vida“. Dabei war der Name Peter Holten ausgedacht, denn Bandchef Peter Grasnick durfte zum Zeitpunkt der Bandgründung nicht als Amateur-, geschweige denn als professioneller Musiker in Erscheinung treten, da er gleichzeitig Jura studierte und eine Tätigkeit als Musiker für Studenten dieser Fachrichtung nicht erlaubt war.

Unausweichlich auf einer Ostrock-Party ist Frank Schöbel. Zum Beispiel im Duett mit Klaus Lenz „Warum willst du denn anders sein“. Die DDR-Schlager-Hit-Maschine singt und „sankt“ bis heute „Sag warum, warum willst du anders sein. Anders, anders hast du kein Gesicht. Dann gefällst du mir nicht. Bleibe wie du bist, bleibe wie du bist.“ Nur er selbst kann es noch besser. Frank Schöbels „Schreib es mir in den Sand“ (1971) ist eine Coverversion des wohl bedeutendsten Werkes der ungarischen Rockgeschichte, Omegas „Gyöngyhajú lány“ (Perlhaariges Mädchen). Die Legenden Gábor Presser und János Kóbor, von denen es stammt, wurden gezwungen, damit mit dem allseits beliebten Frank aus Leipzsch im Fernsehen aufzutreten.

Speaking of L.E. Die erste und einzige englischsprachige Hip-Hop-Platte veröffentlichten 1989 Electric Beat Crew ohne The. Es wäre schön, erzählen zu können, dass ich mir zu deren damaligen Diskohit „Here We Come“ beim Breaking was gebrochen hätte, aber das wäre geflunkert. Danach könnte man nicht überleiten zur Formation Juckreiz, die mit dem unvermeidlichen Reim „Hurra, hurra der Bus ist da, wir fahren an den FKK“ (1983) voll auf der NDW-Welle schwammen. Gut mitsingen – und was auf einer Ostrock-Party wirklich nicht fehlen darf – kann man zu Renft und ihrem „Gänselieschen“ (1974). Auch ohne Eierlikör. „Uns’re LPG hat 100 Gänse…“. Das kennt nicht nur jeder, das ist nach wie vor auch gut. Obwohl der Zwist zwischen den Bandmitgliedern nach der Wende absolut unrühmlich verlaufen ist.

Obwohl ich seit fast 40 Jahren als DJ aktiv bin, habe ich noch nie ein rein ostdeutsches Set aufgelegt oder auf eine Quote in dieser Richtung wert gelegt. Interessiert mich nicht, weil langweilig. Im Grunde sind die Pet Shop Boys daran Schuld. Als ich im zarten Alter von 15 zum ersten Mal „West End Girls“ gehört habe, wurde mir schlagartig klar, dass Ostrock Plagiat ist und ich künftig Originale vorziehen werde. „Sometimes you’re better off dead. There’s gun in your hand and it’s pointing at your head.“

Wie das als DJ oder „Schallplattenunterhalter“, wie es offiziell genannt wurde, wirklich war, könnt ihr in der nächsten Folge erfahren.

Alles Stasi, außer Mutti,

Onkel Rosebud