Von Guido Dörheide (08.03.2026)
Mayhem – Joe Bonamassa – Charli XCX – Converge
Lesen Sie hier, liebe Lesenden, über welche Alben ich mich im jüngst abgelaufenen Monat Februar gefreut habe:
Mayhem – Liturgy Of Death – Century Media 2026
Gibt es eine Band, die in ihren jungen Jahren mit mehr bekloppteren Künstlernamen angetreten ist als Sodom? I mean (wie meine Töchter meinen würden) „Tom Angelripper“, „Grave Violator“ und „Chris Witchhunter“ („De Wietschhantor“, wie Onkel Tom Angelripper nie müde zu betonen wurde)? Na? Hm? Häh?
Na klar, Mayhem (Ein ähnlich kurzes, zweisilbiges Wort wie „Sodom“, denkt mal drüber nach!) traten mit Dead (v), Euronymous (git), Hellhammer (dr) und Necrobutcher (b) an, aufgrund des freiwilligen Aus-dem-Leben-Scheidens von Dead (in zahlreichen Farbaufnahmen festgehalten von Euronymous – oh Mann, wie Scheiße kann man sein?) wurde dieser von Attila Csihar ersetzt (das ist nun endlich mal ein echter und kein verhohnepiepelter Name), dessen Nachfolger dann Maniac wurde, und Blasphemer spielte Gitarre, da Euronymous ja von Varg Vikernes, der unter dem Namen „Count Grishnack“ vorher bei Mayhem den Bass bedient hatte, mit diversen Messerstichen umgebracht wurde. Und das ist jetzt eine ernstzunehmende Black-Metal-Band, ernsthaft? Also zumindest Csihar (seit 2004 der Nachfolger seines Nachfolgers Maniac), Hellhammer und Necrobutcher sind immer noch mit von der Partie, und Teloch (git) und Ghul (ebenfalls git) ersetzen Euronymous und Blasphemer.
Wie aus so einer abgeschmackten Scheiße voller Mord, Intrigen und Kirchenbrandstiftungen große Musik entstehen kann, versteht kein Schwein, aber Mayhem kriegen es geschissen:
„Liturgy Of Death“ enthält über 50 Minuten wunderbaren Black Metals, der uns mit langen Stücken (unter 5 Minuten Laufzeit geht bei Mayhem eigentlich nichts, oft geht es auch deutlich über 7 Minuten), Csihars krächzendem Gesang, Hellhammers höllischem Gehämmer, wunderschönen düsteren Gitarrenmelodien und einer Stimmung, als wäre es 1994, erfreut. Die aktuelle Besetzung von Mayhem harmoniert gut miteinander, Sartarn ist stark und Csihar ist ein verdammt guter Sänger.
Joa Bonamassa – B.B. Kings Blues Summit 100 (Celebrating The King Of The Blues) – Keeping The Blues Alive Records 2026
B.B. King wäre am 16. September 2025 hundert Jahre alt geworden und just zu diesem Behufe entblödet sich Joe Bonamassa nicht, eine knapp zweieinhalb Stunden dauernde Lobhudeligung des großen Meisters zu veröffentlichen, die wirklich unheimlich gut gelungen ist. Allein die Gästeliste auf dem Albumcover liest sich wie ein wahrer Hexensabbat des bluesbezogenen Namedroppings: Buddy Guy, Chaka Khan, Derek Trucks, Eric Clapton, Gary Clark jr., Jimmie Vaughan, Keb’Mo, Larkin Poe, Slash, Susan Tedeschi, um nur einige wenige zu nennen – sie alle waren dabei, als Bonamassa die Kreuzung betrat, und dabei ist ein wunderbares zeitgenössisches Bluesalbum herausgekommen.
Charli XCX – Wuthering Heights – Atlantic 2026
Heuer gibt es diesen neuen Film, „Wuthering Heights“ („Sturmhöhe“), eine Literaturverfilmung des einzigen Romans von Emily Brontë, und die wunderbare Charli XCX hat dazu die Musik gemacht, glücklicherweise unter Auslassung des gleichnamigen Stücks von Kate Bush, das ich verabscheue, obwohl es allerorten als großartiges Stück zeitgenössischer (das heißt, vor knapp 50 Jahren veröffentlichter) Popmusik gilt. Ich für meinen Teil mag aber Charli XCX viel lieber als Kate Bush, habe den Film noch nicht gesehen und weiß auch nicht, worum es sich in „Sturmhöhe“ dreht, aber das Album von Charli XCX finde ich großartig. Charlis komplett unprätentiöser Gesang gefällt mir immer schon, die Musik ist ganz ganz großer Pop: „House“, das Charli zusammen mit John Cale eingespielt hat (nicht umsonst zieht sich eine kratzige Bratsche durch das gesamte Stück), ist atonales Spoken-Word-Pop-Theater zweier Künstler, die es einfach nochmal wissen wollen und die es verdammt nochmal einfach auch können – Hammer! Das letzte Drittel des Songs ist reiner Krach, sogar Charlies Vocals werden durch den Verzerrer gejagt – am Ende brabbelt Cale nochmal vor sich hin – großartig!
Der Rest des Albums ist dann mehr der Pop, wie wir ihn von Charli XCX gewohnt sind, und dass das keinen Scheiß und keine Langeweile bedeutet, ist eh klar.
„Wuthering Heights“ ist kein neues „Brat“, aber das tut auch nicht Not, immerhin haben wir es hier mit einer Literaturvertonung zu tun, und die ist toll geworden. Reinhörtipp: „Dying For You“. Autotune, tolle Melodie, Zwischendurchgedaddel wie aus einem in der Dorfkneipe aufgehängten Spielautomaten – dieser Song hat wirklich alles, was es braucht.
Converge – Love Is Not Enough – Epitaph 2026
Mit „Love Is Not Enough“ liefern Converge natürlich kein neues „Jane Doe“ ab, aber ein eindrucksvolles Lebenszeichen der Band aus Salem, Massachusetts ist „Love Is Not Enough“ allemal. Jacob Bannon (voc), Kurt Balou (git) und ihre Mitstreiter Nete Newton am Bass und Ben Koller am Schlagzeug vermischen Hardcore-Punk, Post-Hardcore-Punk mit einer Messerspitze Sludge Metal (vor allem Bannons Gesang erinnert mit immer wieder sehr positiv an Mike Williams von Eyehategod).
Bereits das Titelstück mit nur 2:22 Minuten Laufzeit ist eine wahre Hardcorepunk-Oper, es kracht von Anfang an mächtig rein, zwischendurch rattert es hypnotisch vor sich hin, dann ein schräges Gitarrensolo und schon ist das Stück vorbei und die Hörenden glauben, gerade ein ganzes Album hinter sich gebracht zu haben. Und der Rest des Albums ist kaum schlechter, einzig dieses hymnische Geratter aus dem Titelstück würde ich mir öfter wünschen. Ansonsten lässt „Love Is Not Enough“ nichts zu wünschen übrig.
