Urluk – Memories In Fade – Pest Records 2026

Von Matthias Bosenick (12.04.2026)

Nett, dieser Doom! Auf diese Weise zubereitet, ist diese eigentlich brutal düstere Stromgitarren-Musikrichtung wohl recht exklusiv: Urluk ist ein eher so halbanonymes Duo aus Mailand, das den schleppenden Doom glättet und ihn mit in dieser Darbietung unerwarteten Zutaten würzt. „Memories In Fade“ ist bereits das zweite Album der beiden Eulen – was Urluk im mailänder Dialekt heißt.

Man wundert sich über die Milde, die der Doom hier erfährt. Üblicherweise kloppt auch im Kriechgang Brutalität aus doomenden Klängen heraus, hier nicht: Mit den Gitarren generiert das Duo schöne Flächen, keine Riffs, glättet sie, nimmt das Rauhe hinfort, lässt dabei das Licht aber angenehm gedimmt, damit auch klar bleibt, dass es sich hier im Doom handelt. Dazu singt einer der beiden in angenehmer Tonlage, etwa wie Ozzy in etwas weniger gequält.

Sobald man sich binnen des über zehn Minuten langen ersten Tracks „Angels Of Hauntology“ an diese Darreichungsform gewöhnt hat, bricht das Duo mit ihr – und lässt ein grollendes Keifen vernehmen. Das in diesem weichen Bett umso ungewöhnlicher wirkt. Und schon ist man mitten drin im Konzept, denn immer, sobald man denkt, es sei jetzt zu flach, passiert etwas, was dem Song einen Twist gibt, wie die wunderhübschen Spätachtziger-Cure-Synthies in „Lying There“, die Samples von Glocken und Meeresrauschen am Ende von „Liminal Vortices“ oder das Klavier, die – klar – Eule und der Chor am Ende des letzten Songs „The Last Watch“, der sogar dem Black Metal in Sachen Tempo freundlich zubangt. „Yesterday’s Letter“ in der Mitte ist gar ein komplett eigensinniges Interludium: Es besteht aus Akustikgitarre und Streichern – und einer Mundharmonika.

Ist das also noch Doom? Ganz klar ja. Nur eben eigensinniger. Urluk sind U. und M., wie sie auch bei ihren anderen Bands wie Manserunt oder Black Oath heißen, aber das Internet verrät, dass es sich dabei um Umberto Rovida Ortunani und Michele Calculli handelt. Die beiden taten sich 2020 im Lockdown zu Urluk zusammen, brachten 2022 die erste EP „Loss“ heraus und ließen der 2023 das Debüt „More“ folgen. Schön, dass es nach Abschluss der Pandemiebeschränkungen mit Urluk weitergeht.