Von Matthias Bosenick (19.01.2026)
Folgt man den Nachrichten, gilt „The Rip“ als die Zukunft des Action-Films und ohnehin als einer der besten seien Genres. Gut, das von wahren Begebenheiten inspirierte Drehbuch hat einen essentiellen Kniff, ansonsten bekommt man das übliche Geballer und Gebretter mit einem Haufen relativ identitätsloser und eher neutral- bis unsympathischer Figuren. Möglicherweise hätte der Film besser funktioniert, verzichtete man komplett auf den Versuch von Hintergrund-Geschichte und verlegte sich komplett auf die Materialchoreographie. So aber ist der Film schneller vergessen als geguckt.
Zunächst stürzt man kopfüber in eine Handlung, die man nicht versteht: Irgendeine Anti-Drogen-Kommissarin wird in Miami von zwei Maskierten an einem Gewässer erschossen und setzt vorher noch mit ihrem Smartphone eine Textnachricht ab. Ihr Team wird von irgendeinem anderen Team in die Mangel genommen, weil alle grundsätzlich unter Korruptionsverdacht stehen, die Behörden also nicht das Kartell als für diese Exekution verantwortlich wähnen, sondern Kollegen. Man bekommt es mit haufenweise Abkürzungen zu tun, die man irgendwie kennt und dann offenbar noch nicht, wie FBI, DEA, TNT, und man muss es einfach akzeptieren, dass die zwar alle mit dem selben Auftrag auf der selben Seite unterwegs sind, aber dann doch gegeneinander.
Nun denn. Ein Tip auf einem Smartphone über ein Geldversteck im Nachbarstädtchen Hialeah lässt das verbliebene Team unter neuer Führung aus eigenen Reihen mit kurzschwänzigen „Fast & Furious“-Karren aufbrechen und das geerbte Haus einer jungen Frau durchsuchen. Dort finden sie in Eimern versteckt geschätzt 20 Millionen US-Dollar, was dann für Komplikationen sorgt. Auch das muss man akzeptieren, so richtig plausibel erklärt bekommt man diese Komplikationen nicht, auch nicht, warum der Einsatzleiter sämtliche Handys des Teams und der Bewohnerin konfisziert. Also weiter, und weiter heißt, dass in dem von den Cops besetzten Haus eine undefinierte Bedrohung spürbar wird. Ein Polizeiwagen mit aufsässigen Kollegen, „P.I.G.S.“ morsende Verandalampen – den Zusammenhang muss man kennen, dass dies für „Polizisten“ steht und vermutlich vom Drogenkartell als Warnung gemeint ist –, anonyme Drohanrufe und interne Verdächtigungen folgen.
Irgendwann gibt’s Alleingänge, weitere Verdächtigungen und offen ausgesprochene Unterschlagungsideen. Und dann die ersten Schießereien, einen unerwarteten Friedensschluss und die nächsten Schießereien und in der Folge Rasereien mit schwerem Kraftfahrzeug. Da gehört dann zum Actionfilm einfach dazu, dass man zwischen Schüssen und Schreien nicht so richtig erkennen kann, wem da gerade was passiert, also weiter. Das Team trennt sich, die Frauen – mit der Verdächtigen zwei Kolleginnen – bleiben beim brennenden Haus und die wahre Täterschaft offenbart sich im Showdown. Und dann erst auch die Motivation für das Verhalten einiger Figuren, die – und das ist der Kniff dieses Films – mit dem Vorhaben, ihre Beteiligten hinters Licht zu führen, auch die Zuschauenden fehlleiten. Châpeau! Da hat man dann auch die irreführende Sequenz vergessen, in der die drei Frauen mit einem Stapel Eimer im Kofferraum abhauen, nur um dann sofort wieder im hopsgenommenen Haus zu sein. Das Hau-drauf-Ding mit den übereinstimmenden Beträgen führt auch noch dem letzten Handyscroller vor Augen, dass da wohl doch alles mit rechten Dingen zugeht.
Okay, schöner Twist im Drehbuch, nicht der einzige, aber der beste. Die Action ist solide, genau so, wie man es kennt und offenbar auch erwartet, jedenfalls jubelt die Actiongemeinde. Eigentlich ist dies solides Mittelmaß, das sich nicht sonderlich von Action der zurückliegenden 40, 50 Jahre abhebt. Und dann die Figuren: ein bunt gemischtes Ensemble aus – Nullen. Eine Polizistin sorgt sich um ihre Kinder, ein Polizist verlor seinen minderjährigen Sohn, sie interessieren sich für Bierdosen und Gummiabrieb durch Räderdurchdrehenlassen auf dem Polizeiparkplatz. Das ist alles an Charakter, das man ihnen zubilligt, und das ist nicht nur banal, sondern auch noch unsympathisch, so dass man gar keine Lust hat, sich auch nur mit irgendeiner der Figuren zu identifizieren. Punkt für den Film, dass man damit am Ende in zwei, drei Fällen – darunter den Figuren von Matt Damon und Ben Affleck – danebenliegt, aber dennoch: Freunde suchen würde man sich in dem Team eher nicht.
Interessanterweise bedient der Synthie-Soundtrack die neu zurückgewonnenen Gewohnheiten von „Stranger Things“, ähnlich retro und minimalistisch, aber effektvoll. Den Score komponierte Clinton Shorter, der 2009 mit der Musik für „District 9“ auf den nächstgrößeren Plan trat. Ebenfalls interessant ist, dass Mat Damon erzählte, dass man in Zeiten von Smartphones den Nutzern dieser Gerätschaften die Story mehrfach erzählen muss, weil deren Aufmerksamkeitsspanne so gering ist. Ehrlich, ein paar mehr Erklärungen für Nicht-US-Zuschauer wären schon schön gewesen. So hat man zwei Stunden lang einen soliden Actionfilm gesehen, der sich zwar nicht für die ewige Sammlung empfiehlt, aber auch keine komplette Zeitverschwendung war.
