Von Matthias Bosenick (13.11.2025)
Das ist nicht Fleiß, das ist ausgelassene Lebensfreude: Vier Alben in drei Jahren, davon zwei in diesem – The Nude Spur haben einen ordentlichen Mitteilungsdrang. Und ordentlich Energie im Gesäß: Gitarrist Thomas Kranefeld und Schlagzeuger Jörg A. Schneider kloppen sich die Finger wund. „Ride The Low Country“ ist daher ein ungezügeltes Wesen, das unberechenbar herumzappelt und in Richtungen ausbricht, die man nicht vorhersehen kann. Einzig vorhersehbar ist: Vertraute Musikstrukturen bekommt man hier nicht dargeboten.
Angezerrt ist die E-Gitarre, also zwischen verzerrt und clean, gerade so, dass man sie als Elektrifizierte heraushören kann. Auf dem Gerät improvisiert Kranefeld ausgelassen, und zwar stets unter Vermeidung von Melodien – auch wenn er sie bisweilen in Aussicht zu stellen scheint –, Atmosphären oder Riffs, von Rhythmus schon mal gar nicht zu reden. Den bekommt man auch von Schneider nicht, der sein Instrument vergleichbar willkürlich bearbeitet.
Beide Musiker lassen Energie raus, ohne dass dabei Rock oder Metal entsteht. „Ride The Low Country“ ist ein Lärmstück, wie es die drei Vorgänger auch schon waren. Das hat etwas Therapeutisches, weil man zu dieser Musik so vortrefflich herumbrüllen kann, und das Album klingt so, als sei dieser therapeutische Ansatz auch für die beiden Protagonisten gegeben. Aus der Selbstversunkenheit der beiden resultiert keine Wiedererkennbarkeit, kein repetitiv-krautiges Zeug, sondern wenn schon Kraut, dann vielmehr Kraut und Rüben. Das hier ist sogar noch freier als Free Jazz.
Decken Projektname und Albumtitel stets Cowboy- und Western-Themen ab, lohnt sich der Blick auf die Titelliste, denn auf der toben sich die beiden ebenso aus wie musikalisch. „The Lord’s Bounty Is Not For Sale“, behaupten sie etwa, und fügen abwehrend hinzu: „This Is Not A Religious Ceremony“. „If My Sleeping Bothers You, Don’t You Bother To Let Me Know“, raten sie einem, als ob man annähme, dass während einer solchen Musik überhaupt jemand zu Schlaf käme. Auf „I Brought My Mother’s Wedding Dress“ folgt wie zur Richtigstellung „We Are Packing Gold, Not Petticoats“. Dabei wollen sie doch nur ihren Frieden: „All I Want Is To Enter My House Justified“, heißt es zum Schluss. Stattgegeben!
