Von Matthias Bosenick (16.03.2026)
Leute von der italienischen Stoner-Sludge-Band Ufomammut können auch anders: Als The Mon macht Bassist und Sänger Urlo auf seinem neusten Album beatlose Synthiemusik, die kaum weniger schleppend und düster daherrollt als die seiner Hauptband. Bei der er überdies ebenfalls die Synthies bedient. Die „Songs Of Embrace“ sind dabei das vierte Album unter dem Alias The Mon in acht Jahren und der zweite Teil einer Doppel-Veröffentlichung, die mit „Songs Of Abandon“ im November begann und den übergeordneten Titel „Embrace The Abandon“ trägt. Keine Sorge: Bass und Bratz gibt’s hier auch. So düster diese instrumentalen Stücke auch sind: Irgendwie passt der Titel – auch wenn es noch ungemütlich wird.
In der Tat haben die Stücke etwas Umarmendes, Tröstendes. Und natürlich Experimentelles: Auch wenn der Einsatz von Synthies erstmal die Erwartungen von Pop weckt, erfüllt Urlo sie selbstredend nicht. Zwar beginnt er das Album auf eine düstere Art schmeichelnd, indem er mit Synthies und auch mal Saiteninstrumenten Landschaften generiert, in die man sich in seiner Schwermut hineinfallen lassen und verstanden fühlen kann, doch wandelt sich die Stimmung im Verlauf. Eilig hat es Urlo dabei nie, das Tempo bleibt reduziert, die Melodiefragmente wechseln minimalistisch, allenfalls mit den Begleitgeräuschen dringt gelegentlich etwas Stress in diese Ambientstücke ein.
Etwa das nach Gitarre klingende Bratzen in „The Sigil“, das gruselige Knistern und Kratzen in der Pianoballade „A Pearlescent Pulse Of Light“ oder der knarzige Industrial-Sound von „Ritual Of Night Violence“ und „Echoes Of The Drowned“. Das Finale mit dem Projekttitel „Embrace The Abandon“ klingt nach einem Aufenthalt im Krankenhaus mit dem Gerät mit dem Ping neben dem Bett und man ahnt, was wohl mit dem gemeint ist, was man da zu umarmen aufgefordert ist.
Dieser zweite Teil ist tatsächlich ein Gegenstück zu „Songs Of Abandon“, auf dem Urlo noch zur Akustikgitarre dunkle Neofolk-Lieder mit dezenten Synthie-Noises sang. Hier hat es eher etwas von Depeche Mode in den Achtzigern, nur ohne Beats, vielleicht sogar von Ulver, die sich ja nun auch in alle unmöglichen Richtungen vom Black Metal wegbewegten, oder von den Nine Inch Nails, deren „Closer“-Outro Urlo in „Embers Of Calendula“ sogar recht deutlich zitiert. Definitiv ist dieser zweite Teil musikalisch und künstlerisch wesentlich wertvoller als der erste. Interessanter Fakt: Urlo heißt Schrei, aber wie er wirklich heißt, lässt sich nicht so einfach ermitteln.
