Von Matthias Bosenick (19.03.2026)
Das hier will nicht gefallen. Das will nicht in Clubs zum Tanzen laufen, und wenn doch, wird’s interessant. Denn das hier ist die brutale Mischung von Elektronik und Metal, die auf Gewalt und Dunkelheit aus ist, darauf, das Gefühl von Verzweiflung und Aggression in Geräusch umzuwandeln. Das ist in der Sache nicht neu, das gibt’s seit den Neunzigern schon, aber Dillon Steele ist auf „Darkage“, seinem ersten ganzen Album unter dem Alias The Marquis Is Dead, besonders konsequent.
Ein tiefes Grollen mit gelegentlichen gepeinigten Schreien bildet das Intro, das Outro ist eine Anhäufung von Lärm, dazwischen platziert Steele acht Tracks aus Elektronik und Metal. Die artifiziellen Drums haben bisweilen etwas arg Klinisches, aber diese Kälte passt zur Gesamtatmosphäre und erfährt in „Trouble Every Day“ eine Erwärmung, denn der Track könnte so auch beinahe von einer Band gespielt worden sein. Ansonsten: Die Electro-Anteile wummern, kloppen, die Gitarren grollen, kreischen, der Gesang bellt, brüllt, irgendetwas dröhnt unablässig im Hintergrund, und trotz eingewirkter Melodiefragmente ist Schönheit hier nicht die primäre Absicht. Sondern eine dunkle, bedrohliche, aggressive Stimmung, denn die Musik ist stark auf Rhythmus, auf Wucht, auf Gewalt ausgerichtet.
Gelegentliche Spielereien sind durchaus Teil der Sache, etwa in „Life Is Suffering“, dem wohl poppigsten Stück Dunkelheit auf diesem Album; ein Sound klingt nach Piano, das tatsächlich etwas dezent sonnige Atmosphäre einbringt. Sprachsamples oder melodiös eingearbeitete Glocken in anderen Tracks erweitern das Sound- und Emotionsportfolio noch.
Steele selbst lässt wissen, dass er als gebürtiger Birminghamer Black Sabbath und insbesondere Godflesh als Einfluss für „Darkage“ zugrundelegt. Dem kann man uneingeschränkt zustimmen, besonderes dem zweitgenannten Projekt. Ebenfalls in den Sinn kommen einem andere vergleichbare Acts und Alben aus den Neunzigern, etwa die frühen Fear Factory geremixt von Front Line Assembly, „Fast Food For Thought“ von Wartime, das selbstbetitelte Debüt von Peter Tägtgrens Projekt Pain oder alte Sachen von Ministry.
Zwar gilt „Darkage“ als das Debütalbum von The Marquis Is Dead, was insofern stimmt, als dass Steele unter dem Namen erst zwei EPs herausbrachte, nämlich „Plague Years“ 2022 und „Malaür“ 2023. Doch nannte er sich davor schlicht The Marquis, und als solcher veröffentlichte er ab 2015 einiges mehr an Alben und EPs. Etwas kurios ist, dass es einmal heiß, er sei in Birmingham geboren, und an anderer Stelle, er sei aus Montreal; dort jedenfalls war er Teil der Band Automelodi. Sicherer scheint zu sein, dass er Teile seines Oeuvres in Berlin und Paris erstellte; in Paris scheint er Musik aus Field Recordings erstellt zu haben, in Berlin entstand viel als The Marquis. Mittlerweile arbeitet er von Brüssel aus, der düstere Weltenbummler.
