The Future Sound Of Koyaanis Naqoy – Ancient Impulses Of A Paranoid Idol – Koyaanis Naqoy 2026

Von Matthias Bosenick (10.02.2026)

An dieser Veröffentlichung ist vermutlich so ziemlich alles verrückt: Zwei Männer unterschiedlicher Generationen aus Cilento in Kampanien kombinieren Elektronik und Schlagzeug zu schräger progressiver Chill -und Tanzmusik, nennen sich The Future Sound Of Koyaanis Naqoy, geben ihrem Debüt den Titel „Ancient Impulses Of A Paranoid Idol“ und setzen die Idee dieser Bandwurmtitel auch bei den fünf Albumtracks fort. Gewöhnliche Strukturen sollte man nicht erwarten, einen Hörgenuss indes sehr wohl.

Die Electronics, die Andrea Doro alias Koyaanis Naqoy hier anbringt, sind als solche zumeist gar nicht erkennbar. Also nicht im technoiden oder synthiepoppigen Sinne jedenfalls, er sampelt sich in der Welt zusammen, was er braucht, und generiert Soundscapes, Drones, Effekte, zu denen Antonio Vessa gelegentlich mit dem Schlagzeug herumhantiert. So bekommt der Opener „Open The Door, Your Uncle Is Here To Greet You“, mit vermutlich nicht zufällig exakt 4:20 Minuten das kürzeste Stück hier, eine technoid-tanzbare Kopfnicker-Passage, während „We Believe In Werner Herzog“ ein reines Sample-Experiment darstellt.

Für „Under The Pressure Of Giada’s Eyes“ kehrt das Schlagzeug jazzig zurück und verleiht den eher behutsamen, halligen Soundexperimenten eine dezente Struktur, die sie selbst sonst gar nicht hätten. Im Verlauf kippt die Stimmung ins Ungemütliche, etwas Beklemmendes schleicht sich ein. Deutlich schöner gerät die zehnminütige Vorabsingle „I Flatten Myself Like A Biscuit, One Day, On Tuesday“. Zu Ambient-Sounds, kargen Effekten und einer minimalistischen Melodie rumpelt das Schlagzeug leise vor sich hin, alles klingt spannend und entspannend gleichzeitig. Der eher freie Rhythmus entwickelt sich gegen Ende latent in Richtung Irish Dance, die Sounds verhalten sich weiter zurückhaltend, repetitiv. Mehr Druck bekommt das Schlagzeug beim abschließend groovenden „Look Mom, The Blue Monster Are Coming“, während die Sounds im Ambient-Soundcsape-Bereich verbleiben, versetzt mit Industrial-artigen Einschüben. Dieser Track fördert das Kopfnicken.

Andrea Doro wurde 1986 auf Sardinien geboren, Antonio Vessa 2003 in Salerno. Während Doro bereits seit 2009 mit Literatur und Poesie befasst ist und vor einigen Jahren im Verlaufe einer Sturmnacht, die er in einem Keller voller Instrumente verbrachte, das musikalische Alias Koyaanis Naqoy erschuf, trat Vessa erst 2019 als Schlagzeuger auf den Plan. Für dieses Projekt fanden sie sich 2024 zusammen und nahmen das Album live im Studio auf. Dieses Album nun erzählt auch ohne Texte eine Geschichte, und zwar die eines Mannes, der zeit seines Lebens nicht von der Stelle kam und in Wiederholung und Stille verharrte, bis er sich einem externen Impuls ausgesetzt und zur Veränderung, gar zur Verbesserung seines Lebens motiviert sah. Auch ohne diese Geschichte fesselt dieses Album. Nun lässt die Kombination aus „The Future Sound Of“ und „Koyaanis“ eine Mischung aus IDM-Trance und Minimal-Neoklassik erahnen – nun, in einem bescheideneren Rahmen lässt sich dem zustimmen.