Von Matthias Bosenick (06.04.2026)
Was verbindet Aurich mit der kalifornischen Wüste? Skip Danko! Jener Musiker nämlich machte sich auf, von Ostfriesland aus die Welt zu erkunden, traf im Südwesten der USA auf Leute aus dem Umfeld der Desert Sessions und spielte mit alten Weggefährten – darunter Milan East – und Zufallsbegegnungen – darunter R.E.M.-E-Bow-Spieler Peter Buck – als Skip Danko B-Movie Road Club flugs das Album „Trippin’ On A Chinese Market“ ein. Ein Trip, der psychedelischen Noiserock mit dem Staub der Wüste und allerlei weiteren Experimenten verbindet.
Zunächst lassen die Beteiligten Noise, Fuzz und die titelbezogene Psychedelik von der Leine, in drei kurzen, umso knackigeren und staubtrockenen Tracks, die aus dem Stand mitreißen und bereits beim Auflockern die gute Stimmung vorbereiten. Denn danach geht’s experimentell weiter: Beinahe neun Minuten lang ist das Titelstück, in dem das Schlagzeug krautig vor sich hin kloppt und sich die anderen Instrumente darin abwechseln, merkwürdige Geräusche auf Melodiefragmente folgen zu lassen.
Experimentell und unkonventionell geht es weiter: Es folgt der „Wet Dog“, der das Tempo anzieht und mit disharmonischen Spoken-Word- und Call-And-Response-Teilen, Orgel und Saxophon an die New Yorker No Wave erinnert. Und zwar angenehm. „Lullaby Me“ scheint in der Tat ein Schlaflied zu sein, zurückhaltend und wispernd, bis die Band im Refrain den Speed-Stoner-Rock losbrechen lässt. Der „Sunday Jam“ liegt lose über einem mitteltemperierten Schlagzeug, einer losgelösten Trompete und zwei Frauen, die sich aneinander vorbei unterhalten und das zuletzt an gebrochener Energie gewinnt. Zum Finale mit dem „Desert Donkey“ wird das Ensemble plötzlich elektronisch, mit einem trippigen Beat und jazzigen Blasinstrumenten zum Flüstern. Bis das Banjo dazukommt und das Tempo steigert.
Als Name existiert der Skip Danko B-Movie Road Club bereits etwas länger, es gibt seit 2019 zwei vorherige Alben und einige Singles. Als Danko nun in Kalifornien unterwegs war, verbündete er sich mit Dave Catching, und dem gehört nun die Rancho De La Luna im Nationalpark Joshua Tree, und Wüstenrockfreunde sollten spätestens jetzt hellhörig werden: Genau, Catching steht in Verbindung zu den Queens Of The Stone Age, den Eagles Of Death Metal, den Desert Sessions. Entsprechend findet dieser Sound seinen Einzug in das dritte Album.
Für das reaktivierte Danko zudem seine Freundschaft zu Milan East alias Milan Meyer-Kaya, mit dem er vor 35 Jahren die Band Sue betrieben hatte. Catching brachte außerdem zwei Freunde mit: Kevin „Bingo“ Richey, mit dem er bei den Mojave Lords spielt, und Peter Buck, arbeitsloses Ex-Mitglied von R.E.M. – und Danko war sofort Feuer und Flamme. Ein gutes Dutzend Menschen war am finalen Produkt beteiligt, denn es entsprang nicht nur dieser einen Session, sondern fand in Ostfriesland seinen Abschluss. Und das ist kein Witz!
