Peel, Palmer, Tausig & Gould – Synesthesia – Fruits De Mer Records 2026

Von Matthias Bosenick (02.03.2026)

Wäre das Schlagzeug weniger als halb so fett, käme man womöglich wahrhaftig auf die Idee, es bei „Synesthesia“ mit einem – wie die Info sagt – „verschollenen Album der Siebziger“ zu tun zu haben, „das 2025 aufgenommen wurde“. Das namenlose Quartett aus den Musikern Icarus Peel, Steve Palmer, Jay Tausig und Rob Gould, das ursprünglich eine Duo-Idee beim Abendessen war, space-prog-rockt sich durch die psychedelische Musikgeschichte und generiert dabei vier instrumentale Zehn-Minuten-Tracks, die es in den Siebzigern so mitnichten gegeben hätte, mal ehrlich. Sonst hätte man sich das Album eigentlich ja auch sparen können.

In dieser Wundertüte ist eine Menge drin: Der erste Kopfnicker „Coral Correlation“ hat etwas Entrückt-Verspieltes, wie die Gitarren und die Keyboards da einen Groove unter die organischen Drums legen. Wenn dann anschließend der „Superpurpleshine“ losbricht, kennt man sich gar nicht mehr aus: frickeliger Stress-Rhythmus, Orgeln, Gniedelgitarren, Thin Lizzy und Deep Purple als Backing-Band von Frank Zappa, so ungefähr.

Mit einer abermals eher entrückten Dudelpassage leitet das Quartett über zu „The Ochre Cobra“, das Jazz Fusion mit der Orgel von The Doors verknüpft, unter anderem. Das warme Piano hier verändert die Stimmung immens, und wiederum brettert das Schlagzeug in die Versunkenheit hinein. Dieses Stück ist besonders wechselvoll in seinen Melodien und wagemutig in seinen Keyboardsounds. Die Kombi aus Synthie- und Gitarren-Space-Gniedeln mit dem minimalistisch-punktierten Schlagzeug in der ersten Hälfte von „The Turquois Shards Of Atlantis“ lässt sogar an die Dire Straits denken, und sobald der Kopfnicker-Takt konsistent wird, dringt einmal mehr die Erinnerung an Carsten Bohns Hörspielmusik ins Bewusstsein.

Die Musiker berichten, dass Peel und Palmer dereinst beim Abendessen beschlossen, dieses Projekt ins Leben zu rufen, und dass sie Tausig und Gould erst später für Schlagzeug und Keyboards hinzuzogen. Eine gute Wahl. Noch im vergangenen Jahr trat das Quartett auf der labeleigenen Compilation „In The Year 2025“ unter dem Alum-Titel Synesthesia auf, das Album selbst erscheint nun unter den vier sperrigen Nachnamen. Alle vier Musiker sind im Umfeld des Psychedelic-Kraut-Space-Labels Fruits De Mer langhin bekannt. Icarus Peel etwa mit The Honey Pot und als Songwriter für Crystal Jacqueline, der kalifornische Multiinstrumentalist Jay Tausig mit auf dem Sublabel Friends Of The Fish veröffentlichten Soloalben, auch von Rob Gould gibt’s Alben bei Fruits De Mer und Steven Palmer nahm bereits für die genannten The Honey Pot auf.