Paper Crown – Letters – Apollon Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.03.2026)

Tut nicht weh, was das Duo Paper Crown aus Hamar in Norwegen auf seinem dritten Album „Letters“ anbietet. Irgendwie Poprock, ganz nett, aber unspektakulär. Passt perfekt ins Radio, fällt dort nicht unangenehm auf und lässt sich zeitlich nicht verorten. Hat man bereits vergessen, während es noch läuft. Viel mehr lässt sich dazu kaum sagen.

Anfangs denkt man noch, man bekäme es mit nettem Psychedelik-Pop zu tun, mit der Betonung auf Pop. Doch im weiteren Verlauf des Albums stellt man fest, dass man sich die Psychedelik nur einredete, um den Pop aufzuwerten, um etwas Besonderes darin zu finden. Ja, es gibt das Besondere in den „Letters“, aber das versteckt sich im Hintergrund, mal mit besonderen Hintergrundchorarrangements, einem speziellen Einsatz der Akustikgitarre, einem E-Gitarren-Solo, „Uh“-Gesängen, einer Country-Slide. Doch alles das ordnet sich dem Zweck unter.

Bei diesem Zweck handelt es sich um die reine Funktionalität: Die Songs sind unauffällig, nett, radiotauglich, freundlich, zurückhaltend, zeitlos, sachdienlich gespielt und arrangiert. Die eher neutrale Stimmung dieser satten zwölf Lieder bleibt gleich, gelegentlich ändert sich das Tempo etwas. Man hat bisweilen das Gefühl, Melodien oder Arrangements schon mal gehört zu haben, bekommt es aber nicht zu fassen. Einige Analogien ploppen dennoch auf, etwa zu den poppigen Fleetwood Mac, zu Alanis Morissette, zu Joan Osborne, nur weniger substantiell.

Immerhin: „Letters“ ist längst nicht so kitschig wie Meer, die Hauptband der Sängerin hier. Bei der handelt es sich um Johanne Margarethe Kippersund Nesdal, die hier auch Gitarre spielt. Ihr zur Seite sitzt Ørnulv Brun Snortheim mit Leadgitarre, Bass, Hintergrundgesang sowie exotischen Instrumenten wie dem nordindischen Saiteninstrument Sarod oder dem ebenfalls nordindischen Streichinstrument Sarangi. Das Schlagzeug erfährt keine Nennung. Als Paper Crown trat das Duo erstmals 2021 mit dem Debüt „Dreamers“ in Erscheinung, das zweite Album „Half Bad“ erschien 2023. Etwas mehr bad würde der Musik durchaus gut stehen, denn wenn etwas gar nicht wehtut, tut das irgendwann auch wieder weh.