Misty Route – Ethos – Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (23.03.2026)

Was haben wir: Gojira, Tool, Opeth, City Of Fire und Spuren von allerlei anderen vertrauten Sounds aus Metal bis Alternative Rock von den Neunzigern bis heute, die sich düster progressiv groovend mit dem Knüppel bearbeiten lassen. Misty Route aus Athen nennen ihr zweites Album „Ethos“, also eigentlich „Ήθος“, und machen darauf einen abwechslungsreichen technischen Groove Metal, der unter den Wiedererkennungsmomenten so manche eigene Handschrift verbirgt. Zu dritt nur, übrigens!

Zunächst fällt es etwas schwer, das Eigene herauszufiltern, weil man über die Spielzeit des Albums darauf gestoßen wird, Ähnlichkeiten zu finden. Nehmen wir „Born With A Price Tag“, guter Titel, nebenbei: Der Bass zum Intro ist Bombe, dann bekommt der Track einen Gojira-Groove und im gebrüllten Gesang auch die Ernsthaftigkeit der Franzosen, versetzt mit der Rauhheit von einigem Neunziger-Alternative-Rock, bis es an mancher Stelle etwas zu hymnisch wird, also eher den neueren Gojira folgt. Dazu kehren Misty Route in der Folge noch einige Male zurück.

Der Tool-Bass und deren musikalische Vorgehensweise dominiert „Blind Fold“, das mit den folkloristischen Chorgesängen durchaus eigene Momente setzt. Der Klargesang zu mildem Pop-Instrumentarium in „No Destination“ als Kontrapunkt zum Losbrettern lässt Opeth durchscheinen, die man ebenso in „The Corridor“ heraushören kann, und in „Freedom“ erinnert dieser Wechsel an City Of Fire, das kurzlebige melancholische Nebenprojekt von Fear Factory. Mit Sicherheit gibt es noch weitere Analogien.

Das Eigene hier ist somit vorrangig die Kombination aus all den genannten Elementen, denn keines der zitierten Vorbilder klang selbst wie diese Mischung. Okay. Doch fügen Misty Route noch haufenweise Elemente hinzu, für die sie selbst verantwortlich sind, düstere Instrumental-Parts, besondere Nackenbrecher-Wechsel und eine beinahe progressiv zu nennende, technische Herangehensweise an klaren Thrash Metal. Und was sie machen, machen sie gut, da gibt es nix dran auszusetzen.

Seit 2019 existiert das Trio aus Athen, veröffentlichte 2021 in Eigenregie das Debüt „Without A Trace“, das Bitume Prods zwei Jahre später erneut unter die Massen brachte. 2023 gab es einen Besetzungswechsel: Gitarrist, Keyboarder und Sänger Lefteris Saatsakis (Λευτέρης Σαατσάκης) sowie Bassist George Armando Konomi (Γιώργος Αρμάντο Κονόμη) blieben, am Schlagzeug löste Konstantinos Kaloudis (Κωνσταντίνος Καλούδης) seinen Vorgänger Kostas Bacopoulos (Κώστας Μπακόπουλος) ab. Andere Betätigungsfelder der drei scheint es nicht zu geben, jedenfalls nicht musikalisch.