Minerall – Strömung – Sulatron Records 2025

Von Matthias Bosenick (17.03.2025)

Abermals lediglich zwei überlange Tracks liefert das mit allen Wassern gewaschene Trio Minerall auf seinem zweiten Album „Strömung“, in denen sich die Band spacerockig in höhere Sphären gniedelt, und das inklusive der gern angenommenen Einladung, dieser über- und außerirdischen Reise beizuwohnen. „Strömung“ ist die Fortsetzung von „Bügeln“, denn die beiden Tracks entstanden in derselben Session, aufgenommen vor zwei Jahren. Dieses Album lässt nur einen Wunsch offen: Kommt da noch mehr?

Der Titeltrack auf der A-Seite startet mit einem für psychedelischen Spacerock unerwartet, aber angenehm mitreißenden Tempo. Aus dem Stand gniedelt sich das Trio in Ekstase, spannt diverse Effektgeräte ein, bringt seine Licks in Loops unter und generiert eine wohltuende Wärme. Nur zu bereitwillig lässt man sich mitnehmen auf diesen Trip. Nach der Hälfte des Tracks vollführt die Band einen Bruch, fährt Tempo und Intensität herunter und lässt das Stück in einem komplett entschleunigten wie entspannten Psych-Chill-Out-Jam übergehen. Selbst hier ist die Aufforderung zum Kopfnicken mitgegeben, dazu grooven und gniedeln Bass und Gitarre, reduziert, wenig bis gar nicht verzerrt, und errichten eine nebulöse Atmosphäre. Bis die Band die Pedale wiederfindet und abermals die Verzerrungsgrade erhöht.

Die zweite Seite mit dem Track „Welle“ startet extrem reduziert, die Band findet sich erst noch, guckt suchend auf dem Studioboden umher, greift dazu gedankenverloren an seinem Instrumentarium herum und lässt die Aufnahme vorsichtshalber schon mal mitlaufen. Mit Recht, denn dieses Kontemplative wirkt mitnichten orientierungslos, man lässt sich von der Band versenken, die Gedanken schweifen umher, man träumt, und während man sich dem Trip hingibt, finden Minerall eine gemeinsame Spur und werfen in aller Ruhe den Space-Rock-Motor an. Sobald die Band in Fahrt kommt, nimmt sie auch Fahrt auf und erhöht unbemerkt und nur leicht das Tempo. Währenddessen verfallen die Musiker in eine Gedenkzeit an Monster Magnet, als die noch cool waren, genauer: an den Hit „Nod Scene“ von vor 35 Jahren, verdichten dabei den Sound und verlangsamen ihn alsbald wieder, ebenso unbemerkt. Als man gerade meint, Minerall würden jetzt den Ausstieg aus dem Track einleiten, drücken sie nochmal auf alle Tuben und gniedeln sich und die Hörenden treibend ins All, mit allen Verfremdungen, Verformungen und Verzerrungen, die das Pedalarsenal so bietet.

Das muss eine bewusstseinserweiternde Geburtstagsfeier gewesen sein, damals, Ende Januar 2023, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auch noch, als diese drei Musiker in den Buffbergen-Studios bei Hannover zu ihren vertrauten Instrumenten griffen und losjammten. Der Berliner Labelbetreiber und in vielen Projekten umtriebige Sula Bassana alias Dave Schmidt schaltete sich mit Bass und Synthies ein, Marcel Cultrera von den Wiener Psychedelik-Fuzzern Speck packte die Gitarre aus und Tommy Handschick aus Kiel, ansonsten bei den Doom-Metalern Earthbong und der Rockband КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ, setzte sich ans bereitstehende Schlagzeug (zumindest ist davon auszugehen, dass er das nicht zufällig im Handgepäck dabeihatte).

Jetzt wären also schon mal rund 80 Minuten aus diesen Jams veröffentlicht. Da die zwei Tage dauerten, kann man nur hoffen, dass da noch mehr den Weg auf die Festplatte fand und demnächst auch zur Veröffentlichung kommt. Die drei jammen besser, als manche anderen komponieren!