Von Matthias Bosenick (25.03.2026)
Da schlagen die Herzen der Achtziger-Wave-Fans höher: Für ihr neues Album „Arousal“ bedienen sich Les Longs Adieux aus Rom bei den Charakteristika jener Zeit und jenes Genres, um sie zu neuen Songs zusammenzusetzen, die mit Dunkelheit, Schwermut und dennoch umfangender Hymnenhaftigkeit zu einer Zeitreise einladen. Mit dem Gesang versetzt das Duo seine Musik zudem in einen anderen Arm der Achtziger: Hier dringt der Italo-Pop deutlich durch und reichert das Bild an.
Der Sound steckt knietief in den Achtzigern: Synthiepop wie damals, inklusive Drums mit artifiziellem Sound, teilweise wie eine klassische Beatbox. Darüber legen die beiden Musizierenden dann Synthies in Fläche, Effekt und Melodie, und weil es so schön passt, auch Gitarren und gelegentlich Bässe, die sie durch diverse Effektgeräte jagen, Flanger zumeist, für das wohlige The-Cure-Gefühl. Diese Instrumente spielt Frank Marrelli, während Federica Garenna die Synthies bedient – und singt, und zwar anders als im Goth-Wave-Genre üblich mit erheblicher Inbrunst und einer Melodieführung, die bisweilen an den wunderbaren Italo-Pop erinnert, wenn nicht dann doch wieder passender an Diamanda Galás oder mal an Siouxsie Sioux.
Trotz des eher wavigen Gewandes lassen die Synthies einige Analogien zu Radiopopsongs der Achtziger zu, beispielsweise zu den Pet Shop Boys im Stück „Le Soldat de Plomb“. Doch ziehen die Saiteninstrumente die Lieder hier stets in die dunkleren Ecken, ohne dass sie dafür harsch werden müssten. Das hier ist keine Rockmusik, auch wenn Garenna etwa in dem treibenden „Electric Transylvania“ auch mal ganz unvermutet Schreie ausstößt. Insgesamt ist die Musik auf „Arousal“ schön, dringt in keine Extreme, sondern setzt auf Wohlklang, auf leichten Zugang zu eigentlich schwerer Stimmung, denn die Melancholie lässt sich auch mit schöner Musik nicht abstreifen, im Gegenteil, sie macht sie noch schöner.
Nicht auf diesem Album enthalten ist die Single „Valover“, die das Duo im vergangenen Jahr veröffentlichte. Auftakt war für die beiden Römer 2021 die Single „Runaway“, der Vorbote zum passend betitelten Debütalbum „Greetings From Moonlight“. Es folgten ein halbes Dutzend weiterer Alben, darunter ein Livemitschnitt, bis zum heutigen „Arousal“. Und das klingt bei Neonlicht noch authentischer!
