Kwoon – Unplugged From The Moon – Kwoon 2025

Von Matthias Bosenick (05.12.2025)

Nach 20 Jahren Existenz darf man auch mal zurückblicken. Die Pariser Post-Rock-Band Kwoon unternimmt dies, indem sie ausgewählte Stücke ihrer Discographie in einer akustisch-reduzierten Version neu einspielt, kwasi: „Unplugged From The Moon“. Für die Hörenden, die die Originale nicht kennen, ist dies ein schöner Anlass, sich mal mit dem Oeuvre der Band zu befassen – oder einfach diese zehn melancholischen Chansons mit Akustikgitarre, Besenschlagzeug, Cello und entrückt-introvertiertem Gesang zur winterlichen Untermalung zu verwenden.

Im minimalistischen Streichergewand bekommen die Songs aus dem Stand etwas Zerbrechliches, dazu passend haucht der Gesang, als nähme der Singende Abschied von irgendetwas, von der Jugend womöglich, schließlich sind 20 Jahre Bandbestehen ja nun auch kein Pappenstiel. Das Album fällt ausnehmend emotional aus, und was Kwoon hier richtig gut gelingt, ist, dass sie nicht mit himmelgreifend-pathetischen Mitteln arbeiten, sondern die Emotionalität als schweres Gewicht in die kontrastierend leicht instrumentierten Songs legen.

Alle zehn Stücke sind im unteren Tempo gehalten, was der Emotionalität zusätzliches Gewicht verleiht. Mit punktierten Einschüben reichert die Band die Stücke an, versorgt sie etwa mal mit weiblicher zweiter Stimme, mal mit Piano, mal mit gepickter Akustikgitarre, mal mit Kinderchor. An mancher Stelle, sobald Kwoon die Intensität etwas steigern, fühlt man sich an die alten Sigur Rós erinnert, etwa in „Great Escape“; in dem Stück darf das Besenschlagzeug sogar mal einen etwas flotteren Takt angeben, der indes so weit im Hintergrund stattfindet, dass er den Eindruck der aufwühlenden Gemächlichkeit nicht trübt.

MTV startete die „Unplugged“-Reihe 1989 und legte damit einen Begriff fest, der zum Markenzeichen wurde. Waren es zunächst die neuen Arrangements, mit denen Bands von sich hören machten, mussten es bald die ungewöhnlichen Darreichungsorte sein. Tropfsteinhöhlen, Realschulen, Hafenbarkassen, da bleibt nicht viel übrig, nehmen wir also den Mond. Bei aller Melancholie – nicht Schwermut – trifft die Band mit den fragilen Arrangements die Schwerelosigkeit zumindest ganz gut.

So ganz karriereüberspannend ist „Unplugged From The Moon“ überdies nicht: Das Debüt „Tales & Dreams“ aus dem Jahr 2006 ist gar nicht berücksichtigt, das jüngste Album „Odyssey“ dafür umso häufiger. Vom mittleren Album „When The Flowers Where Singing …“ sind zwei Songs enthalten. Ein Stück entstammt der EP „The Guillotine Show“, und „Chesslove“ ist ein ganz neuer Song. Es erstaunt übrigens eine lange Lücke zwischen der EP und dem dritten Album, da vergingen 14 Jahre. Dafür gibt’s noch einen Haufen Singles und Live-Alben zu genießen.

Kwoon ist übrigens die Transkription eines chinesischen Begriffes für eine Martial-Arts-Trainingshalle. Bandkopf ist Sandy Lavallart, mit Gesang, Gitarre und Sampler. Bei ihm sind: Gitarrist Guilaume Pintout, Bassist und Keyboarder Yoann Lamouroux sowie Schlagzeuger und Organist Pierre Michel. Offen bleibt, wer zusätzlich singt oder die klassischen Instrumente spielt. Darüber macht man sich aber ohnehin keine Gedanken, wenn man sich zurücklehnt, sich ein Glas Rotwein einschenkt und sich das Album anhört.