Kim Gordon – Play Me – Matador 2026

Von Guido Dörheide (03.04.2026)

Sonic Youth – die älteren Lesenden erinnern sich –, jene Noiserocklegende aus NYC, die von 1982 bis 2009 in regelmäßigen Abständen für ekstatische Verzückung sowohl bei den Kritisierenden als auch bei den Hörenden sorgte und die dann nach der Trennung von Thurston Moore (Gesang, Gitarre) und Kim Gordon (Bass, Gesang) zunächst einmal auseinanderbrach, waren ja immer irgendwie mehr vom Gesang und der Gitarre Thurston Moores geprägt – umso wunderbarer war es immer, wenn Kim Gordon den Gesang übernahm und auf Songs wie „Tunic“ (für die unvergessene Karen Carpenter) oder „Kool Thing“ (dort gemeinsam mit Chuck D von Public Enemy) mit gelangweiltem Nölen und unglaublich toller Stimme bezaubernde und urst in den Bann ziehende Großtaten auf der melodischen Seite des Noiserocks ablieferte.

Neben Sonic Youth war Gordon ebenfalls stets aktiv, beispielsweise mit den eher krachigen Free Kitten, und seit „No Home Record“ im Jahr 2019 bringt sie auch regelmäßig Soloalben heraus, „Play Me“ ist bereits das dritte.

Und solo klingt Gordon vorwiegend anders als bei Sonic Youth, aber alles, was ich an ihrer Musik liebe, ist an Bord: Gordons Stimme ist unverkennbar und wunderbar, sie nölt und motzt aber vorwiegend herum wie auf den rauheren Sonic-Youth-Stücken und lässt die melodische Seite wie auf den vorgenannten Stücken eher außen vor. Das ist schade, macht „Play Me“ aber keineswegs schlechter: Wer Gordons Stimme hören will, keinen Wert auf Melodien legt und sich umso mehr an (teilweise echt hiphoppigem) Schlagzeug-Bass-Groove und quälenden Geräuschen erfreut, ist hier goldrichtig. Für die Schlagzeugprogrammierung (inklusive des kultigen Roland 808) und den Bass ist Gordons Co-Songwriter Justin Raisen zuständig, Gordon singt und spielt Gitarre. Jahaa – richtig gelesen: Nicht Bass! Und das macht sie wirklich gut. Besonders auf „Not Today“ gefällt mir ihre Gitarrenarbeit, und auch gesanglich ist das mein Lieblingssong auf dem Album. Irgendwie kommt Gordon mit ihrem Gesang hier seltsamerweise irgendwo an die alten Cure heran, und das fasziniert mich. Der Text ist reinste Verzweiflung mit einem Loch im Herzen und „Never mind the mess – it’s just my dress“ ist eine Zeile für die Ewigkeit. Kim Gordon ist 72 Jahre alt, klingt hier aber jede einzelne Sekunde lang so vital wie mit unter 30. Wie sie das macht, ist eigentlich egal, solange es so gut funktioniert wie hier.